Protokoll der 97. Sitzung des 19. Deutschen Bundestages
206 Reden und Erklärungen – die Suche findet sie einzeln
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Dr. Rainer Kraft (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Dr. Rainer Kraft (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Silvia Breher (CDU/CSU) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Karlheinz Busen (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Karlheinz Busen (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Karsten Hilse (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Karsten Hilse (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Dr. Gero Clemens Hocker (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Dr. Gero Clemens Hocker (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Carsten Träger (SPD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Carsten Träger (SPD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Amira Mohamed Ali (DIE LINKE) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Amira Mohamed Ali (DIE LINKE) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Carina Konrad (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Carina Konrad (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Carina Konrad (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Marc Bernhard (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Marc Bernhard (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Dr. Lukas Köhler (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Dr. Lukas Köhler (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Karsten Hilse (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Karsten Hilse (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Timon Gremmels (SPD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Sabine Leidig (DIE LINKE) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Dieter Janecek (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Dieter Janecek (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Paul Viktor Podolay (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Paul Viktor Podolay (AfD) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Carina Konrad (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Carina Konrad (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Judith Skudelny (FDP) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Svenja Schulze (Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Befragung der Bundesregierung
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Katrin Werner (DIE LINKE) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Katrin Werner (DIE LINKE) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Katrin Werner (DIE LINKE) – Fragestunde
- Rede von Stephan Brandner (AfD) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Daniela Kluckert (FDP) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Daniela Kluckert (FDP) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Stefan Zierke (Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Paul Viktor Podolay (AfD) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Paul Viktor Podolay (AfD) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Dr. Rainer Kraft (AfD) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Harald Weinberg (DIE LINKE) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Harald Weinberg (DIE LINKE) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Carina Konrad (FDP) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Carina Konrad (FDP) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Sabine Weiss (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Gökay Akbulut (DIE LINKE) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Gökay Akbulut (DIE LINKE) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Friedrich Straetmanns (DIE LINKE) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Torsten Herbst (FDP) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Torsten Herbst (FDP) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Dr. Rainer Kraft (AfD) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Dr. Christian Jung (FDP) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Oliver Luksic (FDP) – Fragestunde
- Rede von Enak Ferlemann (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Oliver Luksic (FDP) – Fragestunde
- Rede von Oliver Luksic (FDP) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Dr. Dirk Spaniel (AfD) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Judith Skudelny (FDP) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Daniela Kluckert (FDP) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Dr. Christian Jung (FDP) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Dr. Rainer Kraft (AfD) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Dr. Rainer Kraft (AfD) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter (Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) – Fragestunde
- Rede von Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Fragestunde
- Rede von Linda Teuteberg (FDP) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Peter Altmaier (Bundesminister für Wirtschaft und Energie) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Peter Altmaier (Bundesminister für Wirtschaft und Energie) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Uwe Witt (AfD) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Bernd Westphal (SPD) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Dr. Sahra Wagenknecht (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Dr. Sahra Wagenknecht (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Dr. Matthias Heider (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Hansjörg Müller (AfD) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Sabine Poschmann (SPD) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Reinhard Houben (FDP) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Reinhard Houben (FDP) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Reinhard Houben (FDP) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Falko Mohrs (SPD) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
- Rede von Jan Metzler (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
Text
Protokoll der 97. Sitzung des 19. Deutschen Bundestages
Plenarprotokoll 19/97
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
97. Sitzung
Berlin, Mittwoch, den 8. Mai 2019
Inhalt:
Tagesordnungspunkt 1:
Befragung der Bundesregierung
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Silvia Breher (CDU/CSU)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Karlheinz Busen (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Karlheinz Busen (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Karsten Hilse (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Karsten Hilse (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Dr. Gero Clemens Hocker (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Dr. Gero Clemens Hocker (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Carsten Träger (SPD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Carsten Träger (SPD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Amira Mohamed Ali (DIE LINKE)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Amira Mohamed Ali (DIE LINKE)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Carina Konrad (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Carina Konrad (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Marc Bernhard (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Marc Bernhard (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Dr. Lukas Köhler (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Dr. Lukas Köhler (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Karsten Hilse (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Karsten Hilse (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Timon Gremmels (SPD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Sabine Leidig (DIE LINKE)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Dieter Janecek (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Dieter Janecek (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Paul Viktor Podolay (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Paul Viktor Podolay (AfD)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Carina Konrad (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Carina Konrad (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Judith Skudelny (FDP)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Svenja Schulze, Bundesministerin BMU
Tagesordnungspunkt 2:
Fragestunde Drucksache 19/9821
Mündliche Frage 1
Katrin Werner (DIE LINKE)
Aufstockung der Haushaltsmittel für die Freiwilligendienste
Antwort Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär BMFSFJ
Zusatzfrage Katrin Werner (DIE LINKE)
Mündliche Frage 2
Katrin Werner (DIE LINKE)
Mittelaufwendungen für Maßnahmen zur Stärkung von Vielfalt, Toleranz und Demokratie über die Jahre 2022 und 2023
Antwort Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär BMFSFJ
Zusatzfragen Katrin Werner (DIE LINKE)
Stephan Brandner (AfD)
Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 3
Daniela Kluckert (FDP)
Einfluss von Elektrokleinstfahrzeugen auf die Mobilität von Jugendlichen im ländlichen Raum
Antwort Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär BMFSFJ
Zusatzfragen Daniela Kluckert (FDP)
Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 6
Paul Viktor Podolay (AfD)
Verfassungsmäßigkeit einer Impfpflicht gegen Masern
Antwort Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin BMG
Zusatzfragen Paul Viktor Podolay (AfD)
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Mündliche Frage 7
Harald Weinberg (DIE LINKE)
Veröffentlichung von Daten zur Einhaltung und Wirksamkeit der Pflegepersonaluntergrenzen
Antwort Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin BMG
Zusatzfragen Harald Weinberg (DIE LINKE)
Mündliche Frage 8
Carina Konrad (FDP)
Anteil der zugelassenen Arzneimittel aus gentechnischer Herstellung
Antwort Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin BMG
Zusatzfragen Carina Konrad (FDP)
Mündliche Frage 10
Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Festschreibung einer Frauenquote für Spitzengremien des Gesundheitswesens
Antwort Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin BMG
Zusatzfrage Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 11
Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Einführung eines Tabakwerbeverbots
Antwort Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin BMG
Zusatzfragen Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 13
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Realisierung der Metropolenbahn zwischen Tschechien und Deutschland
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfragen Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 14
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vorbereitung und Durchführung der Klage der Deutschen Bahn AG gegen Projektpartner des Bahnprojektes Stuttgart 21
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfragen Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 15
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Entwicklung der Personalstärke bei der Deutschen Bahn AG und dem Eisenbahn-Bundesamt für die Planung von Sanierungs-, Aus- und Neubauprojekten
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfragen Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 17
Gökay Akbulut (DIE LINKE)
Gefahrenverdacht bzw. Festhalteverfügung für das Schiff „Mare Liberum“ durch das Bundesverkehrsministerium
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfragen Gökay Akbulut (DIE LINKE)
Friedrich Straetmanns (DIE LINKE)
Mündliche Frage 18
Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Anzahl der Mitarbeitenden zum Thema „Flughafen Berlin Brandenburg BER“ im Bundesverkehrsministerium
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfragen Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 19
Torsten Herbst (FDP)
Kontrollen bezüglich der Lenk- und Ruhezeiten im Güterverkehr auf Autobahnen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfragen Torsten Herbst (FDP)
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Dr. Christian Jung (FDP)
Mündliche Frage 20
Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Baukosten für den Abschnitt der A 14 zwischen Osterburg und der Elbe
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfragen Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 21
Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Planungen und Kosten für die Elbquerung in der Altmärkischen Höhe
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfragen Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mündliche Frage 22
Oliver Luksic (FDP)
Realisierung einer Nordumfahrung von Saarbrücken zur Stärkung des grenzübergreifenden Verkehrs
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Zusatzfrage Oliver Luksic (FDP)
Mündliche Frage 23
Oliver Luksic (FDP)
CO 2 -Bilanz batteriebetriebener Elektromotoren für Pkw
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Zusatzfragen Oliver Luksic (FDP)
Dr. Dirk Spaniel (AfD)
Judith Skudelny (FDP)
Daniela Kluckert (FDP)
Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Christian Jung (FDP)
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Mündliche Frage 25
Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Zeitplan für die Erarbeitung eines Konzepts zum Know-how-Erhalt in nuklearen Sicherheitsfragen
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Zusatzfragen Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Mündliche Frage 26
Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Erfüllung atomrechtlicher Anforderungen an die Schadensvorsorge durch das Atomkraftwerk Greifswald 5
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Zusatzfrage Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Zusatztagesordnungspunkt 2:
Beratung der Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung: Antrag auf Genehmigung zur Durchführung eines Strafverfahrens Drucksache 19/9947
Zusatztagesordnungspunkt 1:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der FDP: Stand der Wirtschaftsverfassung Deutschlands – Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft
Linda Teuteberg (FDP)
Peter Altmaier, Bundesminister BMWi
Uwe Witt (AfD)
Bernd Westphal (SPD)
Dr. Sahra Wagenknecht (DIE LINKE)
Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Matthias Heider (CDU/CSU)
Hansjörg Müller (AfD)
Sabine Poschmann (SPD)
Reinhard Houben (FDP)
Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU)
Falko Mohrs (SPD)
Carsten Müller (Braunschweig) (CDU/CSU)
Jan Metzler (CDU/CSU)
Nächste Sitzung
Anlage 1
Entschuldigte Abgeordnete
Anlage 2
Schriftliche Antworten auf Fragen der Fragestunde
Mündliche Frage 4
Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU)
Haltung der Bundesregierung zur Teilnahme Taiwans an der Weltgesundheitsversammlung im Mai 2019
Antwort Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin BMG
Mündliche Frage 5
Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU)
Etwaiges Zusammentreffen mit taiwanesischen Amtsträgern im Umfeld der Weltgesundheitsversammlung im Mai 2019 im Falle der Nichtteilnahme Taiwans
Antwort Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin BMG
Mündliche Frage 9
Sabine Zimmermann (Zwickau) (DIE LINKE)
Auswirkungen der Neuregelung von § 5 SGB V durch das Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz auf Krankenversicherte mit Kindern
Antwort Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin BMG
Mündliche Frage 12
Stephan Kühn (Dresden) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vorlage eines Gesetzpakets zur Elektromobilität
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Mündliche Frage 16
Andrej Hunko (DIE LINKE)
Einordnung der Tätigkeit nichtgewerblicher Seenotretter im Mittelmeer
Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVI
Mündliche Frage 24
Hubertus Zdebel (DIE LINKE)
Genehmigungsverfahren für die Einlagerung von Castorbehältern aus Wiederaufbereitungsanlagen in Sellafield und La Hague in deutschen Atomzwischenlagern
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Mündliche Frage 27
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Herkunft der radioaktiven Abfälle im Zwischenlager Mitterteich
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Mündliche Frage 28
Judith Skudelny (FDP)
Inhalt des Insektenschutzgesetzes
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Mündliche Frage 29
Judith Skudelny (FDP)
Export von Plastikmüll
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Mündliche Frage 30
Dr. Bettina Hoffmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Verhandlungen zum Verbot des Exports von unsortiertem Plastikmüll bei der 14. Vertragsstaatenkonferenz zum Basler Übereinkommen
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Mündliche Frage 31
Dr. Bettina Hoffmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Export von unsortiertem Kunststoffabfall seit 2010
Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMU
Mündliche Frage 32
Dr. Götz Frömming (AfD)
Mögliche Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit in Deutschland
Antwort Dr. Michael Meister, Parl. Staatssekretär BMBF
Mündliche Frage 33
Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Kürzung des künftigen Etats des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
Antwort Dr. Michael Meister, Parl. Staatssekretär BMBF
Mündliche Frage 34
Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Entwicklung der BAföG-Zahlungen in den nächsten Jahren
Antwort Dr. Michael Meister, Parl. Staatssekretär BMBF
Mündliche Frage 35
Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Herkunft der zugesagten Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika
Antwort Dr. Maria Flachsbarth, Parl. Staatssekretärin BMZ
Mündliche Frage 36
Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Auswirkungen der jüngsten Extremwetterereignisse auf die Klima- und Entwicklungspolitik
Antwort Dr. Maria Flachsbarth, Parl. Staatssekretärin BMZ
Mündliche Frage 37
Eva-Maria Schreiber (DIE LINKE)
Stand der Planungen zum Entwicklungsinvestitionsfonds
Antwort Dr. Maria Flachsbarth, Parl. Staatssekretärin BMZ
Mündliche Frage 38
Eva-Maria Schreiber (DIE LINKE)
Am Compact with Africa beteiligte G-20-Staaten
Antwort Christine Lambrecht, Parl. Staatssekretärin BMF
Mündliche Frage 39
Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Schutz der Mieter vor Zusatzbelastungen durch die Umlegbarkeit der Grundsteuer
Antwort Christine Lambrecht, Parl. Staatssekretärin BMF
Mündliche Frage 40
Dr. Dirk Spaniel (AfD)
Einführung einer CO 2 -Steuer
Antwort Christine Lambrecht, Parl. Staatssekretärin BMF
Mündliche Frage 41
Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Einschätzung der Vertragsverletzungen im Zusammenhang mit dem Danske-Bank-Geldwäscheskandal
Antwort Christine Lambrecht, Parl. Staatssekretärin BMF
Mündliche Frage 42
Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Maßnahmen der Bundesregierung zur Aufarbeitung des Danske-Bank-Geldwäscheskandals
Antwort Christine Lambrecht, Parl. Staatssekretärin BMF
Mündliche Frage 43
Stephan Brandner (AfD)
Zuordnung zum Personenpotenzial von Reichsbürgern und Selbstverwaltern
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 44
Stephan Brandner (AfD)
Extremistisches Personenpotenzial bei Reichsbürgern und Selbstverwaltern
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 45
Martina Renner (DIE LINKE)
Ermittlungen zum Ku-Klux-Klan in Deutschland mit Bezug zu Beschäftigten des Bundes bzw. Bundeswehrangehörigen
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 46
Martina Renner (DIE LINKE)
Ermittlungs- bzw. Disziplinarverfahren im Zusammenhang mit Islamismus in den Jahren 2015 bis 2017
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 47
Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Abgleich von DNA-Spuren im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Nationalsozialistischen Untergrund seit 2015
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 48
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Erfordernis einer Gesetzesänderung zur Wiedereinbürgerung von zwischen 1933 und 1945 ausgebürgerten Personen
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 49
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Abschiebungen im Jahr 2018
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 50
Ulla Jelpke (DIE LINKE)
Abschiebungen im ersten Quartal 2019
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 51
Ulla Jelpke (DIE LINKE)
Bleibeperspektive von aus Seenot geretteten und nach Deutschland überstellten Flüchtlingen
Antwort Marco Wanderwitz, Parl. Staatssekretär BMI
Mündliche Frage 52
Andrej Hunko (DIE LINKE)
Position der Bundesregierung zur nichtgewerblichen Seenotrettung
Antwort Michelle Müntefering, Staatsministerin AA
Mündliche Frage 53
Sevim Dağdelen (DIE LINKE)
Rechtmäßigkeit einer Auslieferung von Julian Assange durch Großbritannien an die USA
Antwort Michelle Müntefering, Staatsministerin AA
Mündliche Frage 54
Heike Hänsel (DIE LINKE)
Konsequenzen aus dem Treffen von Bundesaußenminister Heiko Maas mit dem venezolanischen Politiker Julio Borges
Antwort Michelle Müntefering, Staatsministerin AA
Mündliche Frage 55
Heike Hänsel (DIE LINKE)
Schutz vor Konsequenzen bei der Anwendung des sogenannten Helms-Burton-Gesetzes durch die US-Regierung
Antwort Thomas Bareiß, Parl. Staatssekretär BMWi
Mündliche Frage 56
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Prognose zum Wirtschaftswachstum
Antwort Thomas Bareiß, Parl. Staatssekretär BMWi
Mündliche Frage 57
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Prognosen über Stellenkürzungen in der Automobilindustrie
Antwort Thomas Bareiß, Parl. Staatssekretär BMWi
Mündliche Frage 58
Torsten Herbst (FDP)
Erfassung von Unfällen und Havarien von Windkraftanlagen
Antwort Thomas Bareiß, Parl. Staatssekretär BMWi
Mündliche Frage 59
Stephan Kühn (Dresden) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mögliche Verlängerung der Kaufprämie für Elektroautos
Antwort Thomas Bareiß, Parl. Staatssekretär BMWi
Mündliche Frage 60
Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Zulassung von Legal-Tech-Anbietern nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz
Antwort Christian Lange, Parl. Staatssekretär BMJV
Mündliche Frage 61
Dr. Diether Dehm (DIE LINKE)
Aufdeckung von Geldwäsche-, Drogen- und Waffendelikten durch die Veröffentlichungspflicht im Bundesanzeiger
Antwort Christian Lange, Parl. Staatssekretär BMJV
Mündliche Frage 62
Dr. Diether Dehm (DIE LINKE)
Veröffentlichungspflicht für die Bundesanzeiger Verlag GmbH
Antwort Christian Lange, Parl. Staatssekretär BMJV
Mündliche Frage 63
Pascal Meiser (DIE LINKE)
Ausstellung von A1-Entsendebescheinigungen bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland
Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMAS
Mündliche Frage 64
Pascal Meiser (DIE LINKE)
Überprüfung von A1-Entsendebescheinigungen bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland
Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMAS
Mündliche Frage 65
Sabine Zimmermann (Zwickau) (DIE LINKE)
Vom Strukturwandel betroffene Arbeitnehmer mit einer Teilnahme an einer Förderung der beruflichen Weiterbildung
Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMAS
Mündliche Frage 66
Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Kosten durch Leerflüge der Flugbereitschaft zwischen den Flughäfen Köln/Bonn und Berlin
Antwort Thomas Silberhorn, Parl. Staatssekretär BMVg
Mündliche Frage 67
Sevim Dağdelen (DIE LINKE)
Vereinbarung einer Zusammenarbeit mit Zypern in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit
Antwort Thomas Silberhorn, Parl. Staatssekretär BMVg
Mündliche Frage 68
Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Tierschutzgerechte Haltung bestimmter Wildtierarten in Zirkusbetrieben
Antwort Hans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMEL
Mündliche Frage 69
Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Schritte zur Umsetzung von Haltungsverboten für Wildtiere in Zirkusbetrieben
Antwort Hans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMEL
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Guten Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen! Bitte nehmen Sie Platz. Die Sitzung ist eröffnet.
Ich rufe den Tagesordnungspunkt 1 auf:
Befragung der Bundesregierung
Die Bundesregierung hat mitgeteilt, dass heute die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Svenja Schulze, zur Verfügung steht.
Frau Bundesministerin, Sie haben das Wort für Ihre einleitenden Ausführungen, wenn Sie mögen. – Offensichtlich mögen Sie.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Präsident, natürlich mag ich. Ganz herzlichen Dank. – Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Der Weltbiodiversitätsrat, IPBES, hat am Montag den globalen Bericht zum Zustand der Natur vorgestellt. Ich möchte hier kurz zu diesem sehr, sehr wichtigen Bericht Stellung nehmen.
Wichtig ist der Bericht deshalb, weil er dem Kampf gegen das Artensterben endlich zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen kann, was dem Thema wirklich zusteht. Über den Klimaschutz wird inzwischen weit über die Fachöffentlichkeit hinaus intensiv diskutiert. Im Vergleich dazu findet der globale Verlust an Biodiversität eine eher geringe Beachtung – zu Unrecht, finde ich jedenfalls; denn das Artensterben ist eine ähnlich große Herausforderung wie der Klimawandel. Für den Klimawandel waren und sind die Berichte des Weltklimarates, IPCC, von großer Bedeutung. Am Schutz der Artenvielfalt kann der nun vorliegende Bericht des IPBES einen vergleichbaren Anteil haben; jedenfalls bin ich davon überzeugt.
Der Bericht ist das Ergebnis der Arbeit von 150 Hauptautorinnen und ‑autoren und von über 300 weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den letzten drei Jahren. Er gibt den weltweit akzeptierten wissenschaftlichen Standard wieder. Das ist an sich schon ein enormer Wert. Nun liegt eine verlässliche, eine glaubwürdige Grundlage für die Diskussion und erst recht für das politische Handeln vor.
Die Ergebnisse – Sie haben sie wahrgenommen – sind schlicht alarmierend: 1 Million Arten sind vom Aussterben bedroht, viele davon werden bereits in den nächsten Jahrzehnten aussterben. Das Artensterben ist mindestens Dutzende bis Hunderte Male größer als im Durchschnitt der letzten 10 Millionen Jahre. Die Hälfte der lebenden Korallen ist seit 1870 verschwunden; 75 Prozent der Landoberfläche und 66 Prozent der Meeresfläche sind stark verändert; über 85 Prozent der Feuchtgebiete sind schon verloren gegangen. Kurz gesagt: Die Natur ist weltweit in einem immer schlechteren Zustand, und verantwortlich dafür sind wir, die Menschen.
Der Bericht macht aber auch Hoffnung und zeigt Auswege aus der Krise. Es gibt eine naturverträgliche Wirtschaftsweise, die dort beschrieben wird. Allerdings müssen wir dafür einiges grundlegend verändern. Ich will in der Kürze der Zeit für Deutschland drei Punkte beispielhaft herausgreifen.
Mein erster Punkt betrifft die Schutzgebiete. Der Bericht macht sehr deutlich, dass ein größeres, effektiv gemanagtes Netz an Schutzgebieten helfen würde. In Deutschland sind 16 Prozent der Landfläche und 45 Prozent der Meeresfläche streng geschützt. Ich möchte erreichen, dass die Lücken noch besser geschlossen werden. Ich will gemeinsam mit den Ländern einen Aktionsplan Schutzgebiete entwickeln. Ich will, dass wir die Schutzgebiete noch besser managen, zum Beispiel den Einsatz von Pestiziden deutlich verringern. In ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen, also in Naturschutz- und Wasserschutzgebieten, müssen wir den Einsatz von Pestiziden grundsätzlich verbieten.
Das zweite große Feld ist der Insektenschutz. Den Bestäubern, unter anderem den Insekten, geht es besonders schlecht. Darum ist es zentral, dass wir ein wirksames Aktionsprogramm Insektenschutz bekommen. Meine Vorschläge liegen auf dem Tisch. Die Eckpunkte haben wir bereits im Kabinett verabschiedet. Jetzt wird das genaue Programm zwischen den Ressorts abgestimmt. Ich bin davon überzeugt, dass der IPBES-Bericht da noch einmal für Rückenwind sorgt.
Drittens geht es um die Agrarförderung. Im Bericht ist immer wieder von schädlichen Subventionen die Rede. Das heißt, dass die aktuelle EU-Agrarförderung mit Steuermitteln zur Zerstörung der Natur beiträgt. Die Verhandlungen zur EU-Agrarreform, die nach der Europawahl weitergehen werden, sind also für die Natur, für die Artenvielfalt überlebenswichtig.
Der Bericht ist ein echter Weckruf. Ich werbe dafür, dass wir die Erkenntnisse ernst nehmen und auf allen politischen Ebenen danach handeln; denn – das ist vollkommen klar – wir müssen handeln. Das gilt ebenso für den Artenschutz wie für den Klimaschutz. – Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr, Frau Bundesministerin. – Die erste Frage stellt der Kollege Dr. Rainer Kraft, AfD.
Dr. Rainer Kraft (AfD):
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, vergangenes Jahr hat das Umweltbundesamt eine Studie veröffentlicht, der zufolge circa 6 000 Tote pro Jahr an den Folgen von überhöhten Stickoxidkonzentrationen im Verkehr zu beklagen wären. Der höchste Wert in 2018 war 71 Mikrogramm pro Kubikmeter in Stuttgart.
Ihrem Umweltbundesamt untersteht unter anderem die Innenraumkommission. Diese hat in 2018 zwei Richtwerte für die Konzentration von NO x in Innenräumen angegeben. Der niedrigere Wert definiert sich so – Zitat –:
Richtwert I … beschreibt die Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft, bei der bei einer Einzelstoffbetrachtung nach gegenwärtigem Erkenntnisstand auch dann keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist, wenn ein Mensch diesem Stoff lebenslang ausgesetzt ist.
Dieser Wert wird mit 80 Mikrogramm pro Kubikmeter angegeben.
Ich habe dazu folgende Frage: Wie kann das Umweltbundesamt die Meinung vertreten, dass die vorhandene Stickoxidkonzentration in der Außenluft von maximal 71 Mikrogramm in Stuttgart zu Toten führt, während eine Kommission des gleichen Umweltbundesamtes zu der genau gegenteiligen Aussage kommt, nämlich dass die lebenslange Exposition von bis zu 80 Mikrogramm pro Kubikmeter, also einem höheren Wert als in Stuttgart, keine gesundheitliche Beeinträchtigung erwarten lässt?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Es ist vollkommen klar, dass Stickoxide Reizgase sind und dass wir dafür sorgen müssen, dass auch Kinder, dass auch ältere Menschen draußen vor diesen Stickoxiden geschützt sind. Deshalb gelten im Außenbereich die Grenzwerte, die es auch Kindern und älteren Menschen ermöglichen, sich ohne Gesundheitsbeeinträchtigung draußen in der Umwelt aufzuhalten. Wir wollen, dass, wenn das Fenster geöffnet wird, dann auch frische Luft hineinkommt. Am Arbeitsplatz befindet man sich für gewöhnlich nur, wenn man gesund und erwachsen ist. Deswegen gelten dort andere Grenzwerte als draußen, wo sich Kinder, ältere Menschen und Kranke aufhalten.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt aber, die Grenzwerte insgesamt noch mal zu überprüfen und abzusenken. Auch in dem Bericht der Leopoldina, um den die Bundesregierung gebeten hat, wird eine weitere Absenkung der Grenzwerte empfohlen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Herr Kollege Kraft, Zusatzfrage?
Dr. Rainer Kraft (AfD):
Danke, Herr Präsident. – Frau Ministerin, hervorragend, dass Sie es ansprechen: Die gleiche Innenraumkommission stellt fest, dass sich in Mitteleuropa alle Menschen inklusive Kindern und Kranken circa 90 Prozent der Zeit in Innenräumen aufhalten. Und in diesen Innenräumen gelten die besagten 80 Mikrogramm pro Kubikmeter und nicht die 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, die für den Außenbereich gelten, in dem man die restlichen 10 Prozent der Zeit verbleibt. Ich frage Sie angesichts der Tatsache, dass Sie die Werte Ihrer eigenen Kommission nicht kennen, ob Sie tatsächlich noch die richtige Frau auf dem richtigen Stuhl sind.
(Zurufe von der SPD: Oh! – Timon Gremmels [SPD]: Natürlich! – Marianne Schieder [SPD]: Ich frage mich, ob das die richtige Fragestellung ist!)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, wir gehen von einem Vorsorgeprinzip aus. Für uns gilt der Maßstab: Wenn man das Fenster öffnet, dann muss frische Luft hineinkommen können. Deswegen beträgt der Grenzwert, der für die Außenluft gilt, 40 Mikrogramm. Gerade NO x ist ein Reizgas, vor dem wir Menschen schützen müssen. Dieser Schutz ist für uns prioritär.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Gibt es zu diesem Thema weitere Fragen? – Das ist offenbar nicht der Fall. Dann stellt die nächste Frage die Kollegin Silvia Breher, CDU/CSU.
Silvia Breher (CDU/CSU):
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, die Wolfspopulation in Deutschland steigt stark. Die Antwort Ihres Hauses auf die Sorgen der Weidetierhalter bislang beinhaltete Monitoring, Herdenschutz und Ausgleichszahlungen.
Stellvertretend für viele Schafhalter und viele Weidetierhalter in Deutschland berichte ich mal von mir zu Hause. Unser Schäfer pflegt aktuell mit insgesamt fünf Gruppen die Deiche der Hase – das ist ein kleiner Fluss bei uns, der durch das kleine Städtchen entlang eines Radweges führt –, und er betreibt so aktiven Deichschutz. Allein in der letzten Woche sind seine Tiere viermal vom Wolf angegriffen worden – mit vielen tödlich verletzten Tieren in der Folge. Was soll ich diesem Schäfer sagen, wenn er mich fragt, was Sie und Ihr Haus für ihn und vor allem seine Schafe tun? Und vor allen Dingen: Wann und wie soll es für ihn und seine Schafe weitergehen?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Frau Abgeordnete, der Schutz der Weidetierhaltung ist für die Bundesregierung ein großes Anliegen. Deswegen wollen wir ja auch, dass in Deutschland flächendeckend Weidetierhalter vorhanden sind. Sie sind ja nicht nur für die Kulturlandschaften wichtig, vielmehr sind sie auch für die Artenvielfalt in den Kulturlandschaften maßgeblich mitverantwortlich. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass das Zusammenleben mit dem Wolf, der ja wieder zurückkommt – es ist eine strenggeschützte Art –, funktioniert.
Ich habe mich auf europäischer Ebene stark dafür eingesetzt, dass wir den Weidetierhaltern helfen dürfen, indem wir ihnen die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, um Zäune aufzubauen und dass sie Schutzhunde einsetzen können; denn das ist der einzige Weg, der funktioniert. Man muss die Herden adäquat schützen. Dort unterstützt die Bundesregierung, dort unterstützen die Länder, und das ist die Antwort, die wir den Weidetierhaltern geben können.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Gibt es zu den Wölfen weitere Fragen? Das ist nicht der Fall. Dann stellt der Kollege Karlheinz Busen, FDP, die nächste Frage.
Karlheinz Busen (FDP):
Frau Ministerin, wir kommen beide aus dem Münsterland, und auch da hat der Wolf wieder richtig zugeschlagen. Die Kanzlerin hat den Wolf zur Chefsache gemacht.
(Timon Gremmels [SPD]: Chefinnensache!)
Das begrüßen wir ausdrücklich, das haben wir schon vor einiger Zeit gefordert. Dennoch frage ich Sie, Frau Ministerin: Sieht das Bundeskanzleramt einen Gesetzentwurf zur rechtssicheren Bejagung von Wölfen vor, um wolfsfreie Gebiete zu schaffen? Und werden Sie sich auch für eine Beweislastumkehr beim Nachweis von Schädigungen von Nutztieren durch den Wolf einsetzen?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ja, wir müssen das Zusammenleben von Wölfen und Menschen organisieren. Der Wolf ist eine strenggeschützte Art, und er kommt aufgrund der vielen Schutzprogramme jetzt auch nach Deutschland zurück. Ich habe einen Gesetzentwurf vorgelegt, der klar regelt, wann Wölfe entnommen werden dürfen. Sie dürfen auch nach geltendem Recht entnommen werden; aber es gibt Unklarheiten, es gibt Gerichtsurteile, die nicht ganz eindeutig sind. Deswegen habe ich einen konkreten Vorschlag gemacht, wie man das rechtssicher für alle Beteiligten regeln kann. Dieser Vorschlag liegt auf dem Tisch, und das Bundeskanzleramt wird sicherlich helfen, dass wir gemeinsam, das Umweltministerium und das Landwirtschaftsministerium, zu einer guten Lösung kommen. Das ist bei uns Chefinnensache, weil das ein wichtiges Thema ist.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Zusatzfrage? – Herr Kollege Busen.
Karlheinz Busen (FDP):
Sie sagen gerade, dass Sie Maßnahmen ergreifen wollen, zum Beispiel den Einsatz von Hunden. Aber Sie wissen von Fachleuten und auch von den Schäfern selbst, dass ein solcher Einsatz unmöglich ist und dass auch die Einzäunung von ganz Deutschland unmöglich ist. Also, diese Maßnahmen sind nachweislich nicht von Vorteil und von Nutzen. Da erwarten wir andere Maßnahmen; denn der Erhaltungszustand der Wölfe – das sollten Sie wissen – ist mittlerweile erreicht.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, es gibt Möglichkeiten, Herden zu schützen; diese müssen natürlich regional angepasst werden. Es ist etwas anderes, ob Sie Weidetierhaltung am Deich machen oder in bergigen Gegenden. Es ist ein Unterschied, ob das im Flachland stattfindet oder woanders. Deswegen müssen regional angepasste Konzepte erarbeitet werden; diese sind zum größten Teil auch schon erarbeitet. Wir haben mit den Ländern gemeinsame Standards, sozusagen als Mindeststandard, abgestimmt.
Der günstige Erhaltungszustand des Wolfes ist noch nicht erreicht. Das wird europaweit festgestellt. Also, wir können nicht einfach sagen: Das ist jetzt so. – Es gibt Regeln, mit denen man festlegt, ob dieser günstige Erhaltungszustand erreicht ist. Davon sind wir leider noch weit entfernt.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr, Frau Bundesministerin. – Ich frage noch mal: Gibt es zum Thema Wolf und zum Zusammenleben von Menschen, Schafen und Wölfen weitere Fragen? – Herr Kollege Hilse.
Karsten Hilse (AfD):
Sie haben gerade gesagt, der Erhaltungszustand der Population sei noch nicht erreicht. Das Problem ist ja, dass man so tut, als sei das eine eigene Population; aber es gibt Zigtausende Wölfe in Europa, in angrenzenden Gebieten usw. usf. Man versucht jetzt, daraus eine eigene Population zu machen. Sei’s drum.
Welchen Zahlenwert würden Sie denn jetzt angeben, ab dem der Erhaltungszustand erreicht ist?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, man kann keinen genauen Zahlenwert angeben, jedenfalls jetzt noch nicht. Die Wolfspopulation ist im Moment noch stark gefährdet; wir verlieren zurzeit einfach noch eine große Zahl Wölfe – die meisten übrigens durch den Autoverkehr. Wölfe werden einfach überfahren. Deswegen wird das nach einem genauen Maßstab gemeinsam mit den Ländern gemacht, damit man sieht, ob der Wolf in einem Zustand ist, in dem er nicht mehr gefährdet ist, in dem er sozusagen von sich aus eine Überlebenschance hat. Von diesem Zustand sind wir noch weit entfernt.
Sie haben recht: Es gibt unterschiedliche Populationen. Wir haben in Deutschland drei verschiedene große Wolfsgebiete. Man muss genau schauen, in welchem Zustand die Populationen dort sind. Eine genaue Zahl gibt es aber nicht. Vielmehr ist der Maßstab: Sind die Wölfe von sich aus überlebensfähig, ohne dass man eingreifen muss? – Davon sind wir noch weit entfernt.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Zu einer Nachfrage, Herr Kollege Hilse.
Karsten Hilse (AfD):
Ich möchte noch mal auf den Erhaltungszustand eingehen. In welchem Zahlenbereich bewegen wir uns da? Wann würden Sie sagen, dass der Erhaltungszustand erreicht ist? Geht es hier um vierstellige Zahlen? Geht es um fünfstellige Zahlen? Geht es um sechsstellige Zahlen? Ist der Erhaltungszustand in Deutschland erst dann erreicht, wenn 20 000 Wölfe durch das Land laufen? Oder wie muss ich mir das vorstellen?
(Ulli Nissen [SPD]: Erst wenn es 1 Million sind, dann ist es vorbei!)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Er hat aber die Frau Bundesminister gefragt. – Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, der Erhaltungszustand wird in Europa nach einheitlichen Regeln gemessen und festgelegt. Wir haben gemeinsam mit den Ländern ein festgelegtes Verfahren, mit dem wir ermitteln, wie viele Wolfsrudel überhaupt vorhanden sind. Ich kann Ihnen keine genaue Zahl aller Wölfe nennen, weil wir nicht wissen, wie viele Tiere zu einem Rudel genau gehören. Das ist ein Wildtier, das eher ein scheues Tier ist und sich Menschen für gewöhnlich eben nicht nähert. Deswegen kann man auch nicht einfach eine Erhebung machen. Wir haben jetzt die Möglichkeit, Tiere zu besendern. Das ist erlaubt. Dadurch wissen wir etwas mehr darüber, wohin die Wölfe sich bewegen und wie viele Tiere vorhanden sind. Aber man kann jetzt hier einfach keine genaue Zahl in den Raum stellen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Noch eine Zusatzfrage zu den Wölfen? – Bitte sehr, Herr Hocker.
Dr. Gero Clemens Hocker (FDP):
Verehrter Herr Präsident! Verehrte Frau Ministerin, Sie haben sich ja in den letzten Tagen sehr exponiert zum Thema „Biodiversität und Artenvielfalt“ geäußert. Sie haben heute auch Ihr Eingangsstatement damit begonnen. Ich möchte diesen Themenkomplex gerne mit der Frage in Verbindung bringen, die wir jetzt diskutieren, nämlich mit der Frage der Wolfsmigration.
Sind Sie mit mir einer Meinung, dass die Biodiversität und die Artenvielfalt gerade dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden, dass Wölfe nach Deutschland migrieren? Erste Arten wie zum Beispiel das Muffelwild im Raum südöstlich von Lüneburg sind bereits ausgestorben, und zwar wegen der Migration des Wolfes. Weitere seltene Nutztierrassen geraten in besonderer Weise unter Druck, zum Beispiel Lippegänse und Wollschweine. All diese Spezies stehen kurz vor dem Aussterben, und zwar bedingt durch die Wolfsmigration. Wollen Sie tatsächlich bei der Behauptung bleiben, dass die Wolfsmigration für die Artenvielfalt förderlich ist? Oder ist es nicht so, dass Arten durch die Wolfsmigration sogar aussterben?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, für den Artenschutz ist das größte Problem nicht der Wolf, sondern der Mensch.
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir sind diejenigen, die nachweislich die meisten Arten ausrotten. Das ist das Hauptproblem, das wir haben.
Der Wolf war früher in Deutschland heimisch. Er ist ein streng geschütztes Tier, weil wir ihn nahezu ausgerottet haben. Jetzt hat der Naturschutz dazu beigetragen, dass wir wieder erste Wölfe hier in Deutschland sehen. Das größte Problem für den Artenschutz sind wir Menschen und unsere Art zu leben und zu wirtschaften.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Nachfrage, Herr Kollege?
Dr. Gero Clemens Hocker (FDP):
Vielen Dank für diese Antwort, Frau Ministerin. – Ich würde das gerne noch mal konkretisieren. Würden Sie meine Einschätzung teilen, dass durch die Wolfsmigration Freilandhaltung in Deutschland immer seltener wird, Landwirte ihre Tiere lieber im Stall belassen und es deswegen zu weniger Insekten auf unseren Flächen kommt, dass diese Wolfsmigration also durchaus negative Effekte auf die Insektenvielfalt und die Biodiversität insgesamt hat? Oder würden Sie sagen, dass all diese Argumente tatsächlich nicht derart zum Tragen kommen sollten, wie das in bestimmten Bereichen diskutiert wird?
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn jetzt? 20 Minuten nur die beiden!)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, nein, ich teile Ihre Auffassung ausdrücklich nicht.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Lorenz Gösta Beutin [DIE LINKE])
Ein Zusammenleben von Wolf und Mensch ist möglich. Auch die Weidetierhaltung ist möglich, wenn wir die Weidetiere schützen. Dafür gibt es gut erprobte Systeme. Auch in unseren Nachbarländern, in denen es mehr Wölfe gibt als bei uns, finden wir Weidetierhaltung vor. Genauso wird das auch in Deutschland möglich sein. Wichtig ist uns, dass die Weidetiere geschützt werden. Dafür werden auch von der Bundesregierung Mittel bereitgestellt. Wir haben uns auf der europäischen Ebene dafür eingesetzt, dass wir das dürfen und die Schäfer da unterstützen können.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Jetzt stellt der Kollege Carsten Träger, SPD, die nächste Frage.
Carsten Träger (SPD):
Vielen Dank, Herr Präsident. – Sehr geehrte Frau Bundesministerin, ich möchte gerne auf Ihr Eingangsstatement zurückkommen und eine Frage zu dem vorliegenden IPBES-Bericht formulieren. Sie haben ja darauf hingewiesen, dass der Befund an Dramatik eigentlich überhaupt nicht zu überbieten ist. 1 Million Arten sind weltweit konkret vom Aussterben bedroht. Ich möchte Sie nach Ihrer Einschätzung fragen: Wie gewichten Sie sozusagen das Verhältnis zwischen den dramatischen Aussagen und Erkenntnissen zum Klimawandel und zu dem Verlust der Biodiversität? Bezüglich unseres nationalen Handelns würde ich Sie gerne, weil Sie es nur kurz gestreift haben, fragen: Was sind die Eckpunkte des angekündigten Aktionsprogramms Insektenschutz?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich bin fest davon überzeugt, dass das Verhindern des Artensterbens eine genauso große Rolle für uns spielen muss wie der Klimaschutz und dass wir beides gemeinsam behandeln müssen. Wir müssen dafür sorgen, dass das Artensterben gestoppt wird und dass wir den Klimawandel endlich in den Griff bekommen.
Die Hauptursachen für das Artensterben sind ja Nutzungsveränderungen an Land und in den Meeren, wo eben Lebensräume wegfallen. Wir haben nicht nur das Problem, dass die tropischen Regenwälder zunehmend wegfallen, sondern auch, dass Korallen, die die Regenwälder der Meere darstellen, durch Klimaveränderungen zurückgedrängt werden. Insofern ist die Hauptursache der Mensch. Wir müssen unser Handeln verändern. Wir müssen Rückzugsräume, Habitate für Tiere wieder ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist es für Meeresorganismen zum Beispiel wichtig, dass wir den Plastikmüll vermindern. Das ist ein Beispiel dafür, was wir unmittelbar leisten können.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Wenn wir uns die globalen Transportwege, den zunehmenden Tourismus ganz genau ansehen, dann stellen wir fest, dass darüber auch invasive Arten weltweit verteilt werden. Das Artensterben müssen wir stärker in den Griff bekommen. Da müssen wir handeln. Ich glaube, dass wir genau so ein Aktionsprogramm, wie wir es hier für den Insektenschutz haben, brauchen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Vielen Dank, Frau Bundesministerin. – Nachfrage? – Bitte.
Carsten Träger (SPD):
Ja. – Ich würde gerne eine weitere Frage zum Aktionsprogramm Insektenschutz stellen. Wie weit ist da der Fortschritt – es ist ja schon vor längerer Zeit im Kabinett abgestimmt worden –, und was sind die zentralen Punkte?
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Die Eckpunkte des Aktionsprogramms Insektenschutz sind im Kabinett gebilligt worden. Wir haben daraufhin unter reger Beteiligung das komplette Aktionsprogramm entwickelt. Ich habe es nun vorgelegt, und es ist im Moment in der Ressortabstimmung. Ich hoffe, dass der IPBES-Bericht jetzt auch Rückenwind dafür gibt, dass dieses Aktionsprogramm schnell Realität wird und wir an die Umsetzung gehen können.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Die nächste Frage stellt Amira Mohamed Ali, Die Linke.
Amira Mohamed Ali (DIE LINKE):
Vielen Dank. – Frau Ministerin, auch ich möchte etwas zum Artensterben fragen. Sie haben zu Recht gesagt, dass der Bericht alarmierend ist und dass man jetzt sehr schnell handeln muss. Ich möchte ganz konkret zu Ihrem Aktionsprogramm Insektenschutz nachfragen. Sie haben gerade schon gesagt, das soll jetzt möglichst schnell verabschiedet werden. Was heißt denn „schnell“?
Die zweite Frage dazu ist folgende: Im Rahmen dieses Aktionsprogramms sollen 5 Millionen Euro pro Jahr eingesetzt werden. Sind das alle Mittel, die Sie für den Insektenschutz vorsehen, oder sind weitere Mittel geplant?
Und die dritte Frage dazu ist folgende: Haben Sie Erkenntnisse darüber, was der Rückgang der Insektenpopulationen eigentlich mit den insektenfressenden Tieren – Reptilien, Amphibien, Vögel, Säugetierarten – macht? – Danke.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Wir sehen einen ganz dramatischen Rückgang der Insekten. Das hat natürlich auch weitere Folgen. Das hat Folgen für die Bestäubung von Pflanzen, das hat aber auch Folgen für all die, die in der Nahrungskette sind. Man sieht jetzt schon, dass die Anzahl der Vögel zurückgeht. Die Vögel, die wir früher noch kannten, zum Beispiel Feldlerche und Kiebitz, stehen enorm unter Druck. Deswegen ist das Aktionsprogramm so wichtig. Wir wollen mit dem Aktionsprogramm mehr Lebensraum für Insekten erreichen. Wir wollen, dass sich die Landwirtschaft verändert, dass sie weniger Pflanzengifte einsetzt. Wir müssen gegen Lichtverschmutzung vorgehen, weil auch diese den Insekten Probleme bereitet. Und wir wollen die Forschung ausdehnen. Wir brauchen ein stärkeres Biodiversitätsmonitoring. Wir wissen zwar schon genug, um zu handeln, aber wir müssen noch mehr über die Zusammenhänge lernen. Deswegen wollen wir auch die Forschung und das Monitoring zur biologischen Vielfalt vorantreiben.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Nachfrage? – Bitte.
Amira Mohamed Ali (DIE LINKE):
Ich habe noch eine Nachfrage. Die Antwort ist mir, offen gesagt, noch zu unkonkret. Die Frage lautet: Wann ist das fertig? Haben Sie eine Prognose? Welche ganz konkreten Maßnahmen, gerade in Bezug auf die Landwirtschaft, gibt es? Ich bin im Agrarausschuss und höre dort durchaus andere Meinungen von der Landwirtschaftsministerin bezüglich des Einsatzes von Pestiziden und der Bereitschaft, jetzt sehr konkrete Schritte einzuleiten. Wie wollen Sie dieses Spannungsfeld auflösen?
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Das Aktionsprogramm soll möglichst schnell kommen. Es ist in der Kabinettsabstimmung. Es liegt jetzt den verschiedenen Ministerien vor. Wir warten auf die Rückmeldungen. Der IPBES-Bericht wird sicherlich Rückenwind geben, damit es noch schneller bearbeitet wird. Es soll so schnell wie möglich auf den Weg kommen.
Zur Agrarpolitik. Ich will – in aller Kürze gesagt –, dass Landwirtinnen und Landwirte für Naturschutzleistungen auch bezahlt werden. Dafür müssen wir auf europäischer Ebene die Agrarpolitik grundlegend verändern.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Harald Ebner, Bündnis 90/Die Grünen, stellt die nächste Frage.
Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Ministerin, ich möchte daran gleich anschließen. Sie haben in dem Zusammenhang mit dem IPBES-Bericht auch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland gesagt, dass Sie auf einen Glyphosatausstieg bestehen, auch aus Gründen der Artenvielfalt. Deshalb meine Frage: Was heißt das ganz konkret? Vielleicht können Sie es konkreter sagen als „möglichst schnell“. Also: Bis wann kommt dieser Ausstieg?
Zuletzt ist genau das Gegenteil vom Ausstieg erfolgt. Ihre Kollegin Klöckner hat etliche Verlängerungen von Zulassungen für Hundert bereits vorhandener Glyphosatprodukte und auch Neuzulassungen auf den Weg gebracht. Wie setzen Sie sich gegen diese entgegengesetzte Politik des Agrarministeriums durch? Was machen Sie denn, wenn von dort weitere Zulassungen, die von Ihnen als rechtswidrig bezeichnet werden, erteilt werden?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, vielen Dank für die Frage. – Erst einmal ist vollkommen klar, dass der Wirkstoff Glyphosat die Lebensgrundlage für Insekten, für Bestäuber zerstört und dass wir deswegen diesen Wirkstoff unbedingt verbieten müssen. Sie wissen aber auch, dass wir in einem europäischen Genehmigungsverfahren sind und dass leider mithilfe des letzten Landwirtschaftsministers Glyphosat noch einmal zugelassen wurde. Daher müssen wir jetzt leider die Konsequenzen tragen.
Wir können glyphosathaltige Mittel nicht vollständig verbieten, aber wir wollen jetzt schon festlegen, wie wir aus Glyphosat aussteigen. Wir wollen jetzt schon den Einsatz minimieren. Deswegen habe ich vorgeschlagen, dass es bei der Genehmigung von neuen Pflanzenschutzmitteln, gerade bei der Genehmigung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln, Ausgleichsflächen geben muss. Wir sehen ja, wie dramatisch der Rückgang der Insekten ist. Deswegen möchte ich diese Ausgleichsflächen haben. Das ist im Moment in der Regierung noch umstritten. Wir sind aber auf dem Weg der Einigung.
Dass wir aber aus Glyphosat aussteigen müssen, ist vollkommen klar. Das muss in dieser Legislaturperiode passieren, und wir werden auch beschreiben, wie wir das tun. Der Koalitionsvertrag ist ja hier ganz eindeutig.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Herr Kollege, Nachfrage?
Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Gerne. Danke, Herr Präsident.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Bitte.
Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Ministerin, das Agrarministerium sagt, Ihre Vorschläge für die Ausgleichsflächen seien verfassungswidrig, rechtswidrig, enteignungsgleich. Das Ressorthickhack hilft keiner einzigen Biene. Deshalb möchte ich Sie fragen: Was ist Ihr Plan B, wenn Ihre Vorstellungen von Schutz- und Schmutzgebieten nicht hinhauen? Wie kommen wir, wie kommen Sie zu einer wirksamen, und zwar kurzfristig wirksamen, Pestizidreduktion in der Fläche, damit der Ökologie endlich geholfen wird?
Ein zweiter Punkt. Sie haben noch die schädlichen Subventionen in der Agrarwirtschaft erwähnt.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Kollege Ebner, Nachfragen sollten 30 Sekunden dauern.
Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielleicht sagen Sie noch etwas dazu, wie Sie das erreichen wollen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Bitte, Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Wenn wir Insekten schützen wollen, gibt es keine Alternative dazu, weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Das ist das, was wir erreichen wollen. Es müssen weniger Pflanzenschutzmittel in den Gärten und auf den Äckern landen, damit Lebensraum für Insekten bleibt. Wir in der Regierung befinden uns in der Abstimmung darüber, wie wir die Genehmigungsverfahren ganz konkret gestalten. Ich bin aber davon überzeugt, dass, wenn es noch Flächen gibt, auf denen weiterhin Glyphosat eingesetzt wird, wir einen Ausgleich dafür brauchen. Denn keine Bestäuber zu haben, bedeutet einfach, dass wir riesige Probleme in der Landwirtschaft bekommen, und deswegen ist vollkommen klar, dass wir da handeln müssen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr, Frau Bundesministerin. – Frau Kollegin Konrad, FDP, möchte dazu eine Frage stellen.
Carina Konrad (FDP):
Vielen Dank, Herr Präsident, dass ich die Frage stellen darf. – Frau Schulze, Sie haben eben sehr emotional ausgeführt, wie es im Bereich der Pflanzenschutzmittel aussieht. Ich habe schon einmal Ihrem Kollegen, Herrn Staatssekretär Stübgen, die Frage gestellt, welche wissenschaftliche Grundlage denn dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Ausstieg aus Glyphosat zugrunde liegt. Ihr Kollege hat mir damals geantwortet, dass es keine wissenschaftliche Grundlage dafür gibt, aber dass der Ausstieg im Koalitionsvertrag aufgrund der gesellschaftlichen Verfassung vereinbart worden sei.
Wenn Sie hier über Glyphosat und Insekten- und Artenrückgang reden, dann muss ich Ihnen sagen: Es ist auch heute schon möglich, auf Glyphosat in der Landwirtschaft zu verzichten und im Gegensatz dazu den Boden mechanisch zu bearbeiten. Dazu sind, wenn man die Minimalbodenbearbeitung wählt, mehrere Überfahrten nötig, oder man hängt den Pflug an und pflügt den Boden um. Diese Bearbeitung – ohne Glyphosat – ist für die Arten, die im Boden leben, ein größerer Eingriff als der Einsatz von glyphosathaltigen Mitteln. Das möchte ich hier in dieser Runde gerne klargestellt haben und frage Sie, ob Ihnen das bewusst ist.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Frau Abgeordnete, wir wollen Glyphosat natürlich nicht durch die nächstschlimmeren Mittel oder Maßnahmen ersetzen. Uns geht es darum, dass wir naturnäher wirtschaften und dazu beitragen, dass Lebensraum für Insekten erhalten wird. Da sind Pflanzengifte – die heißen nicht umsonst so – eines der Dinge,
(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Sie nennen sie so! Die heißen nicht so!)
die Insekten ganz maßgebliche Probleme bereiten. Wenn es keine Pflanzen mehr gibt, wenn man keinen Lebensraum für Insekten mehr hat, dann werden sie nicht mehr lange vorhanden sein. Deswegen ist es uns so wichtig, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert wird und dass wir vor allen Dingen Glyphosat, was eben ein Totalherbizid und damit eines der Herbizide, die sehr stark einwirken, ist, in Deutschland vom Markt nehmen. Dafür brauchen wir einen Übergang. Diesen Übergang wollen wir jetzt so gestalten, dass möglichst wenige von diesen Mitteln überhaupt noch eingesetzt werden.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Haben Sie noch eine Nachfrage?
Carina Konrad (FDP):
Ja.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Bitte, Frau Kollegin.
Carina Konrad (FDP):
Wenn ich darf, würde ich schon gerne nachfragen. – Sie haben gerade von dem geplanten Rückgang des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln gesprochen. Diese heißen weder Pflanzengifte noch Pestizide. Es sind Mittel zum Schutz der Pflanzen. Dafür werden sie eingesetzt. Das ist die ursprüngliche Verwendung. Wenn Sie ihren Einsatz zurückfahren wollen, dann müssen Sie auch ehrlich – und dazu möchte ich von Ihnen ein Bekenntnis hören – die Frage beantworten, ob Sie in Zukunft noch Landwirtschaft in Deutschland ermöglichen wollen oder ob wir uns darauf beschränken, Naturschutzgebiete in Deutschland auszuweiten. Und wenn Sie sagen, Sie wollen Landwirtschaft in Deutschland haben, dann hätte ich gerne gewusst, wie Sie dazu stehen, –
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
30 Sekunden!
Carina Konrad (FDP):
– dass wir auch neue Sorten brauchen, die ertragsstärker und ertragssicherer sind und auch mithilfe neuer Züchtungsmethoden hergestellt werden; denn hier blockiert insbesondere Ihr Haus.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Kollegin, in Bezug auf Nachfragen haben wir uns eigentlich darauf verständigt, dass sie auf 30 Sekunden begrenzt sein sollen. Die Antworten übrigens nach Möglichkeit auch.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Frau Abgeordnete, auch die Zeit für die Antworten ist leider beschränkt, deswegen: Natürlich möchte ich Landwirtschaft in Deutschland haben. Ich möchte aber eine Landwirtschaft haben, und ich möchte Insekten und Bestäuber haben, und ich möchte eine funktionierende Tierwelt hier in Deutschland haben. Alles zusammen ist möglich. Es gibt heute schon konventionelle und ökologische Bewirtschaftungsmethoden, die mit weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen. Das muss der Weg sein, jedenfalls für alle die, die die Artenvielfalt hier in Deutschland erhalten wollen. Das ist auf jeden Fall mein Ziel.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, nur zur Klarheit: Nachdem eine halbe Stunde vorüber ist, können natürlich jetzt auch Fragen zu anderen Themen gestellt werden, was aber nicht ausschließt, dass man weiterhin sowohl zu dem Bericht als auch zum Geschäftsbereich der Bundesministerin Schulze Fragen stellen kann.
Die nächste Frage stellt jedenfalls der Kollege Marc Bernhard, AfD.
Marc Bernhard (AfD):
Danke, Herr Präsident. – Frau Ministerin, Sie möchten eine CO 2 -Steuer einführen. Der Anteil Deutschlands an den menschengemachten CO 2 -Emissionen beträgt jedoch nur 1,8 Prozent, während zum Beispiel der Anteil Chinas 28 Prozent beträgt, der Anteil Indiens etwa 8 Prozent. Zusammen mit allen Schwellen- und Entwicklungsländern erzeugen diese Länder mehr als 60 Prozent der CO 2 -Emissionen weltweit. Gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen dürfen diese Schwellen- und Entwicklungsländer, die über 60 Prozent der CO 2 -Emissionen erzeugen, ihren CO 2 -Ausstoß bis 2030 weiter unbegrenzt, also ohne Limit, erhöhen. Welchen konkreten Effekt auf das Weltklima soll also eine CO 2 -Steuer in Deutschland haben, wenn doch die Emittenten von 60 Prozent des CO 2 eine Reduzierung in Deutschland null und nichtig machen? All das, was wir hier einsparen, hat doch – selbst wenn wir die Emissionen auf null reduzieren – überhaupt keinen Effekt.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, das Pariser Klimaschutzabkommen ist eine weltweite Vereinbarung, die dazu beitragen soll, dass Leben auf dieser Erde weiterhin möglich ist, dass wir Lebensräume für Menschen erhalten. Dazu wird auch Deutschland einen Beitrag leisten. Wir werden in Deutschland unseren CO 2 -Ausstoß reduzieren müssen. Dazu habe ich ein Klimaschutzgesetz vorgelegt, das klare Verantwortlichkeiten für alle Bereiche festlegt. Im Rahmen dieser Verantwortlichkeiten kann auch ein CO 2 -Preis eine sinnvolle Lenkungswirkung entfalten. Er muss aber sozial gerecht sein. Er darf Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen, also Mieterinnen und Mieter und Pendler, nicht zusätzlich belasten. So ein Modell zu entwickeln, ist möglich. Ich arbeite gerade in meinem Haus mithilfe von Forscherinnen und Forschern daran, so ein Modell zu erarbeiten. Aber das kann nur ein Baustein sein.
Wir werden im Klimaschutz noch eine ganze Reihe von Dingen tun müssen. Das ist übrigens gut für Deutschland; denn wir sind ein Hochtechnologieland.
(Zuruf von der AfD: Noch!)
Wir sind diejenigen, die Innovationen entwickeln können, die Techniken exportieren können. Da bilden die Techniken, die wir beim Klimaschutz brauchen, einen der ganz wichtigen Bereiche.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Vielen Dank. – Nachfrage?
Marc Bernhard (AfD):
Ja.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Bitte, Herr Kollege.
Marc Bernhard (AfD):
Frau Ministerin, Sie sagen also im Prinzip, Deutschland solle quasi im Alleingang die Welt oder das Weltklima retten.
(Timon Gremmels [SPD]: Das hat sie doch gar nicht gesagt!)
Glauben Sie denn wirklich, dass es Sinn macht, dass wir die paar Kohlekraftwerke, die wir in Deutschland haben, abschalten, während weltweit derzeit 1 500 neue Kohlekraftwerke im Bau sind? Wäre es nicht viel sinnvoller, in einem fairen Abkommen mit anderen Ländern dazu zu kommen, dass vielleicht mal die großen Emittenten ihre CO 2 -Emissionen reduzieren? Würde es nicht viel mehr Sinn machen, vernünftige CO 2 -Abscheidungsanlagen in die Zigtausend Kohlekraftwerke in China und Indien oder anderswo einzubauen, als den Menschen in Deutschland immer mehr Steuern abzupressen?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Herr Kollege, auch für Sie gilt bei Nachfragen die Grenze von 30 Sekunden. Kommen Sie bitte zum Ende.
Marc Bernhard (AfD):
Ich habe es geschafft.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Bitte, Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, wir werden Mitte des Jahrhunderts treibhausgasneutral sein müssen, und zwar alle, die gesamte Welt. Deutschland wird dazu einen Beitrag leisten. Um unsere Technologieführerschaft zu erhalten, ist es absolut notwendig, dass wir umsteuern, dass wir zeigen, mit welchen Techniken, mit welchen Innovationen wir CO 2 vermeiden können. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als eines der ersten großen Industrieländer aus Kohle- und aus Atomstrom aussteigen werden und zeigen können, dass wir trotzdem eine sichere, saubere Energieversorgung haben.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Dr. Lukas Köhler, FDP, stellt die nächste Frage.
Dr. Lukas Köhler (FDP):
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, ich bleibe beim Thema Klimaschutz. Sie haben gerade noch mal die Sektorziele angesprochen. Auf die würde ich mich gerne auch beziehen. Sie werden von Ihrem Koalitionspartner – für uns nachvollziehbar – relativ deutlich kritisiert. Die Union scheint dem Vorschlag der Freien Demokraten folgen zu wollen, den Emissionszertifikatehandel auszuweiten. Das finde ich sehr gut. Von Ihrem Ministerium ist dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, zu dem es aber unterschiedliche juristische Meinungen gibt. Ich glaube, darüber kann man sprechen.
Meine Frage an Sie wäre allerdings jetzt: Wie sicher sind Sie sich denn, dass es in dieser Legislaturperiode noch zu einem Klimaschutzgesetz kommt, in dem Sektorziele ganz eindeutig festgeschrieben und auch in Jahresscheiben – oder wie man das auch immer nennen möchte – fortgeschrieben werden? Wie sehr Sie davon überzeugt sind, das umzusetzen, würde mich interessieren.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, die Sektorziele sind vom Kabinett bereits beschlossen worden. Sie sind Teil des Klimaschutzplans und wurden eins zu eins in das Klimaschutzgesetz übernommen. Insofern sind diese Ziele bereits Beschlusslage.
Ich bin davon überzeugt, ich weiß, dass wir in diesem Jahr alle notwendigen Schritte in Richtung Klimaschutz gehen werden. Dieses Jahr ist das Jahr des Handelns im Klimaschutz. Alle notwendigen Maßnahmen, alle Gesetze und alle Förderprogramme werden in diesem Jahr auf den Weg gebracht. Wir werden aus Deutschland heraus unseren Beitrag dazu leisten, den CO 2 -Ausstoß zu reduzieren. Und es geht nicht mehr um die Frage, ob wir das tun. Vielmehr geht es um die Frage, wie wir das tun.
Ich bin dafür, dass man klare Verantwortlichkeiten festlegt, sodass jeder Sektor verlässlich weiß, was in den nächsten Jahren passieren wird. Eine solche Verlässlichkeit braucht nicht nur die Industrie, diese Verlässlichkeit ist auch für die Menschen und ihre Investitionsentscheidungen wichtig.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Nachfrage?
Dr. Lukas Köhler (FDP):
Herzlichen Dank für die Antwort. Sie hatten über Klarheit gesprochen. Ich würde mich über eine klare Aussage gerade im Hinblick auf den Klimaschutzplan freuen.
Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, dass es ihn gibt. Allerdings ist es nur ein Plan und kein Gesetz und enthält daher auch keine verbindlichen Ziele. Deswegen meine Nachfrage zur Klarstellung: Sie sind der Meinung – habe ich das eben richtig interpretiert? –, dass in dieser Legislaturperiode für jeden einzelnen Sektor verbindliche Ziele festgelegt und mit entsprechenden Maßnahmen zur Umsetzung im Klimaschutzgesetz niedergeschrieben werden?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Bitte sehr.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, es wird – das ist so im Koalitionsvertrag verankert, und das wird auch von niemandem in der Regierung bestritten – ein Klimaschutzgesetz geben. Wir werden ein Bündel von Maßnahmen vorlegen, mit denen Deutschland die CO 2 -Reduktionsziele erreichen kann. Die Frage ist wirklich nicht mehr, ob, sondern nur noch, wie wir das gestalten.
(Beatrix von Storch [AfD]: Und warum?)
Es ist uns ganz wichtig, dass die Maßnahmen sozial gerecht sind und Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen nicht über Gebühr belastet werden. Außerdem soll es einen klaren und verlässlichen Rahmen für die Industrie geben, damit klar ist, was in den nächsten 20 Jahren auf sie zukommt.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Der Kollege Hilse, AfD, möchte dazu fragen.
Karsten Hilse (AfD):
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, laut den Formeln des IPCC würde die Abschaltung aller Kohlekraftwerke von heute auf morgen – und auch nur dann, wenn man daran glaubt, dass der Mensch den Klimawandel maßgeblich beeinflusst – die hypothetische Erderwärmung um 0,000284 Grad Celsius verringern. Sehen Sie es als angemessen an, für diesen aberwitzig geringen Wert – 0,000284 Grad Celsius weniger Erderwärmung – 30 000 Arbeitsplätze allein in Sachsen abzubauen und laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag 170 Milliarden Euro auszugeben?
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Bitte.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, 97 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagen uns, dass der Klimawandel menschengemacht ist und wir etwas dagegen tun müssen.
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
Würden Sie in ein Flugzeug steigen, wenn 97 Prozent der Ingenieure weltweit sagen: „Dieses Flugzeug stürzt ab“? – Nein, natürlich nicht.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)
Die Regierung wird an ihren Klimaschutzzielen festhalten. Wir werden Klimaschutz machen. Wir werden uns um die Menschen in Deutschland und übrigens auch international kümmern und unseren CO 2 -Ausstoß reduzieren. Das ist wichtig, um den Lebensraum der Menschen auf unserer Erde zu erhalten. Dazu wird Deutschland einen Beitrag leisten.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Nachfrage?
Karsten Hilse (AfD):
Ich hatte einen konkreten Zahlenwert genannt: 0,000284 Grad Celsius weniger Erderwärmung. Meine ganz konkrete Frage lautet: Sehen Sie es als angemessen an, für einen solch geringen Wert 30 000 Arbeitsplätze zu vernichten und – laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag – 170 Milliarden Euro auszugeben? Das ist die Frage.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, Nichthandeln beim Klimaschutz würde gigantische Kosten verursachen,
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch eine Milchbubenrechnung, die er aufstellt!)
und wir sind nicht bereit, diese Kosten zu übernehmen. Wir werden etwas gegen den Klimawandel tun müssen. In Deutschland sind wir jedenfalls gewillt, unseren Beitrag zu leisten. Dazu gehört ein riesiges Innovationsprogramm für unsere Wirtschaft, mit dem wir neue Arbeitsplätze schaffen werden. Im Gesetz für den Strukturwandel haben wir Maßnahmen vereinbart, um in den Regionen, die im Moment noch sehr stark von der Kohle abhängig sind, neue und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen. Wir kümmern uns um die Regionen. Wir kümmern uns um die Zukunft. Das ist die Verantwortung von Politik.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Timon Gremmels, SPD, stellt die nächste Frage.
Timon Gremmels (SPD):
Sehr geehrte Frau Bundesministerin, der Emissionshandel ist sicherlich ein wichtiges Thema.
Aber das System ist auf Jahre europaweit festgezurrt. Es lässt sich im Moment nicht aufschnüren. Die Ausweitung des Emissionshandels ist also
– höchstens –
eine Lösung für die ferne Zukunft. Eine CO 2 -Steuer erscheint daher als pragmatischer Lösungsansatz im Hier und Jetzt.
Das ist ein Zitat, nicht aus dem „Vorwärts“, sondern aus dem „Handelsblatt“ von heute.
Teilen Sie die Einschätzung, dass wir – als ein Baustein von vielen, neben der Erreichung der Sektorziele – eher über eine CO 2 -Bepreisung reden sollten als über eine langwierige Ausweitung des europäischen Emissionshandels, wie in dem Artikel dargelegt?
(Dr. Lukas Köhler [FDP]: Das geht auch schneller!)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Bitte sehr, Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, ja, ich teile diese Ansicht. Den Emissionshandel jetzt wieder aufzuschnüren, das würde sehr viele Jahre dauern. Außer uns hat niemand Interesse daran, das zu tun. Viele Länder übererfüllen ihre Ziele. Viele Länder haben sich schon auf den Weg gemacht, die Klimaschutzziele zu erreichen. Deswegen glaube ich: Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und zeigen, was ein hochinnovatives Land wie Deutschland tut, um den CO 2 -Ausstoß zu reduzieren.
Ich halte ein Modell mit einem fairen CO 2 -Preis, das dafür sorgt, dass gerade Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen nicht zusätzlich belastet werden – sie müssen entlastet werden; das halte ich für möglich –, für einen wichtigen Beitrag. Aber das ist eben nur ein Beitrag. Das kann nicht alles andere ersetzen. Das ist ein Baustein. Wir werden viele weitere Bausteine brauchen. Dieses Gesamtpaket habe ich in meinem Klimaschutzgesetz sozusagen adressiert. Das muss jetzt diskutiert und umgesetzt werden. Der CO 2 -Preis kann eine ganz wichtige Rolle darin spielen.
Timon Gremmels (SPD):
Danke schön.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Die nächste Frage stellt der Kollege
(Kersten Steinke [DIE LINKE]: Nein, Anschlussfrage! Noch nicht seine Frage!)
– Anschlussfrage, das ist doch das Gleiche; er stellt jetzt eine Frage – Lorenz Gösta Beutin, Die Linke.
(Kersten Steinke [DIE LINKE]: Anschlussfrage!)
– Er stellt jetzt eine Frage. Und dafür hat er eine Minute Zeit.
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE):
Richtig, aber Sie verfahren hier immer unterschiedlich. Das ist nicht so ganz deutlich.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Ja, klar, aber ich kann Ihnen nur für eine Frage das Wort geben, und dann kommt die nächste Frage.
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE):
Okay, gut.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Jetzt haben Sie das Wort.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Also, von der Reform halte ich nichts!)
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE):
Frau Schulze, Sie haben sehr eindringlich die Notwendigkeit zu handeln deutlich gemacht, auch und gerade in Zusammenhang mit dem Artensterben und dem Klimaschutz. Nun ist es aber so: Deutschland wird die Klimaziele für 2020 verfehlen. Ein wichtiger Bereich, in dem Deutschland hinterherhinkt, ist der Gebäude- und Wärmebereich. Nun ist nicht nur die Gebäudekommission abgesagt worden, sondern auch das Gebäudeenergiegesetz dreht sozusagen seine Runden. An dem ersten Entwurf gab es bereits massive Kritik von Naturschutzverbänden, aber auch aus der betreffenden Branche. Mich würde interessieren: Wie bewerten Sie den aktuellen, den überarbeiteten Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes? Wie ist da der Stand?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, erst einmal stimme ich Ihnen absolut zu. Auch der Gebäudebereich muss einen Beitrag leisten, die Treibhausgasemissionen zu senken. Gegenüber 1990 muss dieser Bereich bis 2030 67 Prozent einsparen. Das ist nicht wenig. Es gibt aber viele Programme und Möglichkeiten. Der Bundesregierung ist wichtig, dass auch im Gebäudebereich etwas passiert. Ich weiß, dass die zuständigen Minister sehr intensiv an der Entwicklung eines Gesamtpakets für diesen Bereich arbeiten. Es geht dabei nicht um nur einen Baustein, sondern um eine ganze Reihe von Maßnahmen, die dazu führen sollen, dass wir auch im Gebäudebereich unser Ziel für 2030 erreichen. Kein Bereich kann außen vor bleiben; aber gerade der Gebäudebereich ist ein enorm wichtiger. Auch da ist die Bundesregierung gewillt, zu handeln.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Wollen Sie eine Nachfrage stellen?
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE):
Nun haben Sie aber laut Medienberichten der Versendung dieses Entwurfs widersprochen. Das heißt, es gibt direkt aus Ihrem Hause Kritik. Liegt das beispielsweise daran, dass EU-Vorgaben Ihrer Ansicht nach mit diesem Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes nicht eingehalten würden? Das suggerieren zumindest die Medienberichte. Oder was sind die Gründe, aufgrund derer Sie der Versendung widersprochen haben?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Der Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes befindet sich im Moment in der Abstimmung zwischen den einzelnen Ministerien. Dabei ist es üblich, dass jedes Haus Anmerkungen macht und die Erwartungen des jeweiligen Ministeriums deutlich macht. In dieser Abstimmung befinden wir uns gerade. Ich bin mir ganz sicher, dass wir mit einem guten Ergebnis aus diesen Abstimmungen herauskommen werden.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Die Kollegin Sabine Leidig möchte dazu eine Frage stellen.
Sabine Leidig (DIE LINKE):
Ich möchte die Nachfrage stellen, wie es um den Verkehrsbereich bestellt ist; denn nicht nur der Gebäudesektor wird die Klimaziele krachend verfehlen. Der Verkehrssektor wird die Ziele vielleicht sogar noch stärker verfehlen; denn im Verkehrssektor steigen die CO 2 -Emissionen nach wie vor. In diesem Bereich haben wir überhaupt noch keine Trendumkehr. Meine Frage ist, wie da der Verständigungsprozess läuft. Der Verkehrsminister steht da offensichtlich massiv auf der Bremse.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Auch im Verkehrsbereich werden wir die Klimaschutzziele einhalten müssen. Wir haben extra ein Klimaschutzkabinett auf den Weg gebracht, wo wir die Arbeiten zwischen den einzelnen Ressorts auch koordinieren wollen. Natürlich muss auch der Verkehrssektor einen Beitrag leisten. Der zuständige Minister wird auch seinen Beitrag vorlegen; ich bin ganz zuversichtlich, dass er da mitarbeiten wird. Er hat ja auch schon erste Ideen in seiner Nationalen Plattform entwickelt. Es gibt da eine eigene Arbeitsgruppe, die einen ersten Bericht vorgelegt hat. Ich denke, dass er auf Basis dieses Berichts seine Vorschläge dann auch im Klimakabinett vorlegen wird.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Dieter Janecek, Bündnis 90/Die Grünen, stellt die nächste Frage.
Dieter Janecek (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Ministerin, wir waren beide diese Woche auf Europas größter Konferenz für digitale Gesellschaft, der re:publica, zu Gast. Ein großes Thema auf dieser Konferenz war das Thema „Wie können wir die Digitalisierung endlich nachhaltig denken?“. Ich begrüße es außerordentlich, dass Sie dazu erste Eckpunkte vorgelegt haben. Denn die Digitalisierung ist in ihrem jetzigen Zustand – das ist auch ein Thema, das in der Debatte über die Klimakrise stärker beachtet werden muss – eher ein Brandbeschleuniger der Klimakrise als ein Brandlöscher.
Es ist positiv, dass Sie Eckpunkte aufschreiben, aber ich frage Sie: Was heißt das jetzt ganz konkret für den Handlungsrahmen, für ein Aktionsprogramm? Und: Sind Sie auch bereit, sich mit Herrn Scheuer, Herrn Altmaier und auch mit Frau Klöckner auseinanderzusetzen, die ja in ihren Kernbereichen bei Nachhaltigkeit, nachhaltigem Design von IT-Hardware, IT-Software, aber auch den Geschäftsmodellen des Digitalen gegensteuern? Sind Sie bereit, da in den Kampf zu gehen?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, erst einmal würde ich Ihnen zustimmen, dass die re:publica wirklich eine beeindruckende Ansammlung von Menschen, eine beeindruckende Veranstaltung ist und dass es sehr gut ist, dass sich die diesjährige re:publica so stark dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet hat.
Ja, ich habe dort Thesen zur Digitalisierung vorgestellt. Ich finde, dass Digitalisierung nicht Brandbeschleuniger sein darf, sondern dazu beitragen muss, nachhaltig zu sein. Ich habe Punkte in die Diskussion der Community hineingegeben. Ich glaube, dass zum Beispiel die Themen „Umweltcloud“ und „Daten zugänglich machen“ ganz wichtig sind und die Diskussionen uns helfen könnten, sinnvolle Maßnahmen zu entwickeln.
Ich glaube, ich bin dafür bekannt, dass ich gerne mit meinen Kolleginnen und Kollegen in die Diskussion gehe. Deswegen kann ich Ihnen da Ihre Sorge nehmen. Das ist die typische Rolle einer Umweltministerin und eines Umweltministers: den anderen auf den Zehen zu stehen und dafür zu sorgen, dass Klimaschutz, Umweltschutz, Naturschutz wirklich stattfinden. Das werde ich in bewährter Tradition fortsetzen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Ihre Sorgen sind noch nicht ganz behoben; Sie möchten eine Nachfrage stellen.
Dieter Janecek (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Ja, einfach die Nachfrage: Haben Sie denn jetzt auch Aktionen ganz konkret vor? Das, was Sie aufgeschrieben haben – das haben wir auch vor einem Jahr schon aufgeschrieben –, ist gut, geht in die richtige Richtung. Aber die Frage ist natürlich: Wenn man etwas ändern will, dann muss man ja auch in Aktionen kommen. Also was sind die Schritte – eins, zwei, drei –, die Sie jetzt planen?
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, ich habe dieses Programm für die Digitalisierung vorgelegt, habe Punkte aufgeschrieben, die wir angehen wollen. Da sind ganz konkrete Punkte dabei. Ich möchte zum Beispiel 50 Leuchtturmprojekte für die künstliche Intelligenz, die nachhaltig sind, auf den Weg bringen. Ich stelle mich aber auch erst mal der Diskussion. Ich finde, wenn man ein Thema neu in die Diskussion einbringt – und die Debatte zum Thema „Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ ist eine recht junge Debatte –, dann muss man auch die Diskussion mit vorantreiben. Das das Erste, was ich machen will. Das Zweite ist natürlich, konkrete Projekte voranzutreiben.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Der Kollege Beutin möchte dazu eine Frage stellen.
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE):
Es ist ja immer schön, wenn die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangeht. Aber es stellt sich mir die Frage: Wie sind da Ihre Informationen? Wie sieht es beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung aus? Eine einfache Maßnahme wäre beispielsweise, die Server in öffentlichen Einrichtungen mit Ökostrom zu betreiben. Das wäre einfach zu machen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, es ist ein ganz wichtiges Thema, andere Stromquellen zu nutzen. Aber noch besser ist es, Strom zu sparen, und das ist unser erklärtes Ziel. Wir haben es durch den Einsatz von anderer IT-Infrastruktur in den letzten Jahren geschafft, unseren Stromverbrauch zu reduzieren, und wir wollen den Stromverbrauch weiter reduzieren. Obwohl wir immer mehr dieser Rechner einsetzen, ist es das erklärte Ziel, den Verbrauch zu reduzieren. Das ist ein ganz wichtiger Beitrag.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Sie wollen noch eine Frage stellen? – Wenn Sie mir liebenswürdigerweise ein Zeichen geben. Bitte.
Lorenz Gösta Beutin (DIE LINKE):
Das Ziel der Bundesregierung ist ja, auf erneuerbare Energien umzustellen. Ein Beitrag, der wirklich einfach zu leisten wäre, ist, wenn man für die Server Ökostrom nutzen würde. Man muss ja nicht das eine tun und das andere lassen, sondern man kann doch beides machen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Herr Abgeordneter, ja, sicherlich kann man beides machen, mir ist aber wichtig, dass wir es im Sinne der Nachhaltigkeit wirklich schaffen, den Energieverbrauch zu reduzieren. Unser erklärtes Ziel ist, bis 2024 jedes Jahr 2 Prozent weniger Energie zu verbrauchen. Das ist gar nicht so einfach zu erreichen. Es ist aber in der Tat wichtig, beides zu tun, nämlich, erneuerbare Energien zu nutzen und den Energieverbrauch zu reduzieren.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Paul Podolay, AfD, stellt die nächste Frage.
Paul Viktor Podolay (AfD):
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Bundesministerin, in Deutschland werden in Industrie und Gewerbe, Medizin, Forschung sowie in der Landwirtschaft etwa 100 000 umschlossene radioaktive Strahlenquellen genutzt. Die Benutzung dieser Strahler unterliegt der staatlichen Aufsicht. Trotz der Kontrolle können der Verlust eines Strahlers oder der Fund einer herrenlosen Strahlenquelle nicht vollständig ausgeschlossen werden. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz wurden in den Jahren 2009 bis 2014 bundesweit 169 Meldungen über den Verlust bzw. den Fund von Strahlern aufgezeichnet, wovon zwei als hochradioaktive Strahlenquellen eingestuft sind.
Meine Frage: Ist Ihnen bekannt, ob sich die Zahlen seit 2014 verbessert oder eher verschlechtert haben? Verfolgen Sie die Lage bzw. die Statistik?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, dazu werden sicherlich genaue Zahlen vorliegen. Da mir die Frage vorher nicht bekannt war, habe ich diese Zahlen jetzt natürlich nicht dabei. Ich kann das aber gerne schriftlich nachreichen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Möchten Sie eine Nachfrage stellen? Da die Frau Bundesministerin Ihnen die Antwort nachliefert, haben Nachfragen aber eigentlich nur relativ wenig Sinn.
Paul Viktor Podolay (AfD):
Ich habe noch eine andere Nachfrage.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Eine andere? Das ist aber keine Nachfrage. – Na, schauen wir mal.
Paul Viktor Podolay (AfD):
Es geht nicht um die Zahlen. – Was unternimmt die Bundesregierung bezüglich des internationalen Informationsaustausches in diesem Bereich, und wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergie-Organisation aus, die ein Informationssystem zur Übermittlung von Daten zu weltweit verlorengegangenen Strahlenquellen betreibt?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Frau Bundesministerin.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Wir haben einen intensiven Austausch mit unseren Nachbarstaaten über die Atomkraftwerke und über die Frage der Strahlungen, weil das in dieser dicht besiedelten Region, in Europa, natürlich wichtig ist. Wir tauschen uns auch über Sicherheitsfragen aus, weil es gerade für Deutschland, da wir jetzt ja aus der Nutzung von Atomstrom aussteigen werden, ganz zentral ist, dass wir weiterhin à jour, auf dem Stand der Technik, bleiben, um das, was andere tun, die die Atomkraft nutzen, einschätzen zu können. Deswegen gibt es intensive Kontakte und einen intensiven Austausch auf der fachlichen Ebene.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Vielen Dank. – Die nächste Frage stellt die Kollegin Carina Konrad, FDP.
Carina Konrad (FDP):
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin Schulze, ich will noch mal zum Artenschutz zurückkommen. Sie haben eben sehr umfangreich dargestellt, in welch schlechtem Zustand sich die Artenwelt befindet, und haben Maßnahmen für Deutschland vorgestellt, die Sie ergreifen wollen. Damit attestieren Sie ja Ihrem eigenen Ministerium für die letzten Jahre ein Versagen.
Man soll nun den Schritten folgen, die Sie eben vorgeschlagen haben, nämlich eine Extensivierung der Produktion und die Einstellung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes. Sie planen ja offensichtlich, dort in Richtung von Verboten zu gehen. Ich frage mich jetzt schon: Wie sollen dann auch in Zukunft noch hochwertige und sichere Nahrungsmittel auf deutschen Äckern produziert werden?
Frau Bundesministerin Klöckner hat sich in der letzten Woche positiv gegenüber einer Gesetzesänderung auf europäischer Ebene geäußert, um die neuen Züchtungsmethoden – Veränderungen an Pflanzen mit der Genschere CRISPR/Cas9 – zu ermöglichen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Kollegin.
Carina Konrad (FDP):
Ich frage Sie: Wie stehen Sie dazu? Unterstützen Sie diesen Vorstoß von Frau Klöckner?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Frau Abgeordnete, Sie haben jetzt mehrere Fragen in einer gestellt. Ich will erst Ihre Frage zu CRISPR beantworten. Ich lehne CRISPR als Züchtungsmethode ab. Ich glaube, dass auch das eine gentechnische Veränderung ist und dass wir deshalb diese gentechnische Veränderung genauso wie alle anderen gentechnischen Veränderungen betrachten müssen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sie haben gesagt, dass man im Rahmen der Ackerbaustrategie unbedingt die heute eingesetzte Menge an Pflanzenschutzmitteln braucht. Davon bin ich nicht überzeugt. Wir können Landwirtschaft mit weniger Pflanzenschutzmitteln naturverträglicher betreiben. Stellen Sie sich doch bitte einmal vor, wir würden so weitermachen wie bisher. Dann würden wir die Insekten komplett ausrotten und wie in den USA immer Bestäuber an die Felder heranholen müssen. – So etwas mag ich mir gar nicht vorstellen.
(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Das brauchen Sie auch nicht!)
Die dort entstehenden Kosten kann, glaube ich, niemand von uns ernsthaft wollen. Deswegen müssen wir uns für den Schutz der Insekten einsetzen.
(Beifall bei der SPD)
Ein Rückgang der Artenvielfalt von 70 Prozent ist doch nichts, bei dem man sagen kann: Wir können einfach so weitermachen.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Nachfrage? – Bitte, Frau Kollegin Konrad.
Carina Konrad (FDP):
Ja, gerne. – Ich versuche, meine Frage innerhalb von 30 Sekunden zu stellen.
In dem EuGH-Urteil heißt es, dass neue Züchtungsmethoden keine Gentechnik seien, sie aber wie gentechnische Verfahren zu regulieren seien, was die Züchter hier bei uns im Land vor enorme Herausforderungen stellt und was sie auch von weltweiten Entwicklungen abhängt.
Ich möchte Sie deshalb nochmals fragen: Halten Sie unter den Voraussetzungen, die Sie eben mit Blick auf den Artenrückgang und den Flächenverbrauch alle skizziert haben, wirklich daran fest, dass diese Methode in unserem Land nicht möglich sein soll?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Frau Abgeordnete, gentechnische Veränderungen kann man, wenn sie einmal im Freiland sind, nie wieder zurückholen. Diese Technik ist nicht rückholbar. Dieses Risiko finde ich sehr hoch. Ich folge da dem Europäischen Gerichtshof: Genau die Regelungen, die für andere gentechnische Pflanzen gelten, müssen auch für diese Pflanzen gelten.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Die Frau Kollegin Skudelny möchte eine Nachfrage stellen.
Judith Skudelny (FDP):
Frau Ministerin, wir hatten gestern ein Frühstück, bei dem der IPBES-Bericht vorgestellt worden ist. Dabei wurde gesagt, dass ein Grund für den weltweiten Artenrückgang ist, dass es sich manche Länder leisten können, extensive Landwirtschaft zu betreiben, weil sie mehr Waldflächen und mehr Naturschutzgebiete haben und dadurch die Umweltauswirkungen in andere Länder verschieben.
(Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: So ist es!)
Wir können das aus Deutschland heraus nur dann verhindern, wenn wir parallel zu einer extensiven Landwirtschaft eine Konsumänderung erreichen. Deswegen würde mich mal interessieren: Wo sehen Sie denn Ansätze? Welche Vorschriften möchten Sie den Verbraucherinnen und Verbrauchern machen, damit wir parallel zu einer Konsumänderung eine extensive Landwirtschaft betreiben können, ohne deren Auswirkungen auf andere zu verschieben?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Frau Abgeordnete, ich bin davon überzeugt, dass wir die Landwirtschaft so verändern können, dass sie wieder naturverträglich ist. Das war früher mal so: Wir haben im Einklang mit der Natur arbeiten können.
Jetzt ist es so, dass wir in einem Umfang Insekten verlieren, der lebensbedrohlich ist. Wenn wir keine Insekten mehr haben, ist unsere Nahrungsgrundlage gefährdet. Dann ist die Wasserreinhaltung gefährdet. Dann ist die medizinische Forschung gefährdet, die sehr viele Erkenntnisse aus der Natur zieht. Deswegen glaube ich, dass der Bericht des Weltbiodiversitätsrates ein wirklicher Warnschuss ist. Wir müssen uns jetzt endlich um den Schutz der Insekten kümmern.
Ich habe dafür ein Aktionsprogramm vorgelegt. Das muss jetzt schnell auf den Weg gebracht werden. Jetzt noch zu sagen: „Das ist alles nicht so zentral, da kann man noch ein bisschen abwarten“, ist jedenfalls nicht meine Meinung.
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Jetzt würde ich gerne dem Kollegen Ostendorff, Bündnis 90/Die Grünen, das Wort für die letzte Frage in dieser Regierungsbefragung erteilen.
Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Ministerin, wir haben ja nun sehr lange über den Artenschutz geredet. Entscheidend wird dabei sein, die Form der Landwirtschaft, die das fördert, was Sie gesagt haben, massiver in den Blick zu nehmen. Was gedenken Sie konkret zu tun, um die Landwirtschaft der vielseitigen, der kleinstrukturierten, der lebenserhaltenden Grundlagen stärker zu fördern? Da sind hohe Erwartungen an Sie gerichtet. Was ist konkret Ihre Handlungslinie?
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Frau Bundesminister.
Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit:
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich glaube, dass ein zentraler Ansatz, um das stärker zu fördern, die europäische Agrarpolitik ist. Sie wissen, dass im Moment die europäische Agrarpolitik die Landwirte in erster Linie nach der Größe von Flächen bezahlt. Wenn aber Landwirte Naturschutzleistungen und damit ja Leistungen für uns alle erbringen, dann sind dafür auf der europäischen Ebene nur ganz geringe Mittel vorgesehen. Das halte ich für den falschen Weg. Ich möchte, dass die Naturschutzleistungen, die die Landwirtinnen und Landwirte erbringen, im Rahmen der EU-Agrarförderung mitfinanziert werden. Dafür setze ich mich ein. Das halte ich für einen zentralen Hebel, um in diesem Punkt weiterzukommen.
(Beifall bei der SPD)
Präsident Dr. Wolfgang Schäuble:
Danke sehr. – Ich schließe die Regierungsbefragung mit dem Dank an die Frau Bundesministerin.
Ich gucke mal, ob mich die Frau Kollegin Roth in der Leitung der Sitzung ablöst. – Sie tut es.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Einen schönen guten Tag von mir an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich rufe den Tagesordnungspunkt 2 auf:
Fragestunde
Drucksache 19/9821
Die mündlichen Fragen auf Drucksache 19/9821 werden in der üblichen Reihenfolge aufgerufen.
Ich rufe den Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf und begrüße den Parlamentarischen Staatssekretär Stefan Zierke. Er beantwortet die Fragen zu diesem Geschäftsbereich.
Wir kommen zu Frage 1 der Kollegin Katrin Werner:
Werden die Mittelaufstockungen, die im Haushalt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2019 für die Freiwilligendienste vorgenommen wurden und unter anderem für die Verbesserungen der pädagogischen Begleitung vorgesehen waren, im Jahr 2020 und darüber hinaus verstetigt?
Herr Zierke.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete Werner, die regierungsinternen Verhandlungen zur Aufstellung des Haushalts 2020 und der Finanzplanung 2019 bis 2023 laufen derzeit. Der Kabinettsbeschluss zum Regierungsentwurf für den Haushalt 2020 ist für den 26. Juni 2019 vorgesehen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Werner, bitte.
Katrin Werner (DIE LINKE):
Vielen Dank. – Nun haben Sie mir einen zeitlichen Ablauf wiedergegeben. Ich hätte erahnen können, dass ich eine solche Antwort bekomme. Trotz alledem gab es einen entsprechenden Bericht in der „Süddeutschen Zeitung“, und trotz alledem haben wir Schreiben von Freiwilligendienstleistenden und auch denjenigen bekommen, die es umsetzen. Diese fragen ganz konkret nach, wie es mit einer Verstetigung bzw. einer Mittelaufstockung aussieht. Die Ministerin hat im letzten Jahr ein Konzept vorgestellt, um Freiwilligendienste zu stärken. Wir haben ein gemeinsames Papier aus dem Unterausschuss an das Ministerium weitergeleitet, das viele Anregungen zur Stärkung dieser Dienste enthält. Das erfordert aber eine Mittelaufstockung. Ist sie angedacht und, wenn ja, in welcher Höhe? Das ist die konkrete Frage.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Staatssekretär, bitte.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Die Abgeordneten dieses Hauses kommen mit ähnlichen Ideen zu uns. Diese Vorschläge werden bei uns im Haus entsprechend bearbeitet. Wir wollen diese umsetzen. Aber ich kann an dieser Stelle nach wie vor nur sagen, dass wir gerade in den haushaltsinternen Verhandlungen sind und dass ich auf die Frage, die Sie gestellt haben, nichts weiter antworten kann.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Werner, kommen wir zu Ihrer zweiten Frage?
Katrin Werner (DIE LINKE):
Ja.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Dann rufe ich die Frage 2 der Kollegin Katrin Werner auf:
Werden die Mittel für Maßnahmen zur Stärkung von Vielfalt, Toleranz und Demokratie im Haushalt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über die Jahre 2022 und 2023 verstetigt?
Herr Staatssekretär, Sie sind dran.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Meine Antwort auf die zweite Frage wird ähnlich oder sogar gleichlautend sein. Die regierungsinternen Verhandlungen zur Aufstellung des Haushalts 2020 und der Finanzplanung 2019 bis 2023 laufen derzeit. Der Kabinettsbeschluss zum Regierungsentwurf für den Haushalt 2020 ist für den 26. Juni 2019 vorgesehen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank. – Frau Werner, bitte.
Katrin Werner (DIE LINKE):
Es war absehbar, dass die Antwort gleichlautend sein wird. Die Nachfragen, die sich aus dieser Antwort ergeben, sind sicherlich die gleichen wie bei Ihrer Antwort auf meine erste Frage. – Aber vielleicht mache ich es diesmal anders. Es geht teilweise um Programme und um Menschen, die in Jobs sind. Nehmen wir als Beispiel das Projekt „Demokratie leben!“. Wir stehen vor Wahlen in Bundesländern, in denen ganz klar ist, dass solche Projekte zu stärken sind.
(Dr. Roland Hartwig [AfD]: Frechheit!)
Man kann doch nicht im Mai sagen: Liebe Leute, wir sind mitten in den Haushaltsverhandlungen und wissen noch nicht, ob es eine Verstetigung oder eine Aufstockung geben wird. – Momentan gibt es Befürchtungen, dass die Mittel nicht langfristig verstetigt werden bzw. dass die entsprechenden Haushaltstitel sogar abgesenkt werden. Zumindest das Ministerium müsste doch wissen, ob es eine Verstetigung oder eher eine Aufstockung unterstützt. Ich finde, dass wir Verantwortung gegenüber den betreffenden Menschen haben. Es geht konkret um Arbeitsverträge. „Demokratie leben!“ nimmt wieder an Ausschreibungen teil. Hier geht es um Träger und ehrenamtlich Tätige. Man kann doch nicht sagen: Gucken wir mal! In einem Vierteljahr könnt ihr vielleicht die Arbeitsverträge verlängern.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Wir kennen diese Sorgen. Wir nehmen diese Sorgen ernst und wissen auch um die Gefahr, die dahintersteht. Aber an dieser Stelle lautet die Antwort: Wir sind in den Haushaltsverhandlungen, wir warten den Kabinettsbeschluss ab, und dann werden wir alles Weitere sehen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank. – Frau Werner hat das Wort zu einer weiteren Nachfrage. Bitte schön, Frau Werner.
Katrin Werner (DIE LINKE):
Im Hinblick auf die jetzigen Haushaltsberatungen bekomme ich wohl keine andere Antwort; das ist mir schon klar. Ich denke, wir werden das Thema heute im Unterausschuss vielleicht noch konkretisieren oder noch mal ansprechen müssen.
Ich habe die Anregung für die folgenden Haushaltsberatungen – vielleicht können Sie das mitnehmen –, dass man da etwas ändert. Ich glaube, wir haben gegenüber den Trägern, den Menschen, die diese Jobs machen, einfach eine gottverdammte Pflicht. Es geht um die Unsicherheit, die immer besteht. Für die Trägervereine, für deren Vorstände – da spreche ich aus eigener Erfahrung – ist diese Unsicherheit eine Krux, wenn man jemanden einstellt, wenn man für Mitarbeiter verantwortlich ist, aber auch verantwortlich für all die Menschen ist, die in einem solchen Verein tätig sind. Es ist nicht gut, wenn man immer wieder sagen muss: „Warten wir mal ab; kucken wir mal“, weil man immer nur zeitliche Befristungen anbieten kann. Insofern ist es sinnvoll, dass Sie sich dafür einsetzen, dass man demnächst ein Stück weit mehr Zuverlässigkeit und langfristige Planung rüberbringen kann.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Zierke.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Die Sorge kennen wir, und wir setzen uns für das Anliegen ein.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Danke schön. – Herr Brandner .
Stephan Brandner (AfD):
Es geht ja um die Mittel für Maßnahmen zur Stärkung von Vielfalt, Toleranz und Demokratie in Ihrem Haushalt. Ich persönlich – ich denke mal, große Teile der AfD-Fraktion werden da mit mir einer Meinung sein – hätte gar nichts dagegen, wenn diese Mittel sich blitzartig Richtung null bewegen würden. Aber es ist nun mal, wie es ist.
(Timon Gremmels [SPD]: Mit Demokratie und Toleranz haben Sie auch nichts am Hut! Das ist schon klar!)
Wir stellen in diesem Haushalt ja eine ausgesprochene Linkslastigkeit fest.
(Timon Gremmels [SPD]: Gott sei Dank!)
Wenn ich es richtig überschlagen habe, stehen den ungefähr 150 Millionen Euro für den Kampf gegen rechts im Jahr 1,5 Millionen Euro, also etwa 1 Prozent, für den Kampf gegen den Linksextremismus entgegen. Das betrifft nicht nur Ihren Haushalt, sondern gilt global, ist also über alle Haushalte gerechnet.
Meine Frage an die Bundesregierung ist: Plant die Bundesregierung, ohne dass Sie jetzt konkrete Zahlen nennen können, in Zukunft eine ausgewogene Finanzierung von Projekten, die sich gegen jede Form von Extremismus, also von Linksextremismus und Rechtsextremismus und religiösem Extremismus und Ausländerextremismus, richten? Oder bleibt es bei dieser Einseitigkeit mit dem Aufrufen zu Vielfalt, –
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, die Zeit ist um.
Stephan Brandner (AfD):
– Toleranz, Demokratie und Gedöns?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Zierke, bitte.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Also, laut Geschäftsordnung müsste sich die Nachfrage auf die Frage von Frau Werner beziehen. Ich würde aber trotzdem darauf antworten und sagen, dass jeglicher Extremismus bei uns im Haus grundsätzlich abgelehnt wird. Das, was Sie hier sagen, ist nicht an dem orientiert.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Herr Zierke. – Nachfrage von Frau Lemke.
Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Könnten Sie uns vielleicht noch mal über die neuesten Erkenntnisse der Bundesregierung zur Bedrohung durch Rechtsextremismus in Deutschland informieren? Es hat ja in jüngster Zeit Veröffentlichungen gegeben, dass die Bedrohung durch Rechtsextremismus, auch durch die Verknüpfung mit der Identitären Bewegung, angestiegen ist und dass ebendeshalb diese Haushaltsmittel erforderlich sind, um zur Verteidigung der demokratischen Institutionen in diesem Land dem Rechtsextremismus etwas entgegenzusetzen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Zierke, bitte.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Wir sind in einer mündlichen Befragung, und Ihre Frage ist haushaltsrelevant. Ich müsste die Beantwortung an ein anderes Ressort abgeben; aber ich weiß nicht, ob die Richtlinien für die Fragestunde das zulassen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Das lassen sie zu; aber wenn Sie sie nicht beantworten wollen, weil Sie sagen, Sie fühlten sich nicht angesprochen, akzeptiere ich das. Es geht jetzt um die Haushaltsmittel. Ich glaube, auch Herr Brandner hat eine Frage gestellt, die sich auf die Haushaltsmittel bezogen hat. Also, ich halte diese Frage für zulässig. – Gut, danke schön.
Bitte, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie Fragen stellen, wäre es schön, wenn Sie ins Mikro reinsprächen, weil man Sie sonst nicht verstehen kann.
Wir kommen zur Frage 3 der Abgeordneten Kluckert:
Wie bewertet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Einfluss von Elektrokleinstfahrzeugen auf die Mobilität von Jugendlichen im ländlichen Raum?
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Sehr geehrte Frau Abgeordnete Kluckert, der Einsatz von Elektrokleinstfahrzeugen kann nach Ansicht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für Jugendliche im ländlichen Raum einen Mobilitätsgewinn bedeuten.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Kluckert.
Daniela Kluckert (FDP):
Das sehen wir auch so. Es ist schon mal gut, dass wir darüber Konsens hergestellt haben. Jetzt bleibt natürlich noch die Frage, wie wir das umsetzen. In der Verordnung, die das Verkehrsministerium vorgelegt hat, ist die Rede davon, dass man auf jeden Fall eine Versicherungspflicht braucht. Das würde für Jugendliche unter 18 Jahren bedeuten, dass sie dafür 90 Euro im Jahr aufwenden müssten. Sie kennen ja die Situation von Jugendlichen, die sich in der Schule oder in der Ausbildung befinden und sehr niedrige finanzielle Möglichkeiten besitzen. Wie schätzen Sie mit Blick auf die 90 Euro die finanziellen Möglichkeiten der Jugendlichen ein?
(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was wollen Sie denn jetzt damit?)
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Zierke, bitte.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Es gab die von Ihrer Fraktion gewünschte Anhörung zu dem Thema. Wir gehen davon aus, dass sich die Sachverständigen dort entsprechend äußerten. Die Sicherheit der Jugendlichen und der Familien steht immer an erster Stelle, wenn man sich im öffentlichen Raum mit Verkehrsmitteln jeglicher Art bewegt, und auch beim gemeinsamen Nutzen der verschiedenen Verkehrsträger muss die Sicherheit immer an erster Stelle stehen.
Zur Frage, ob ein Versicherungsbeitrag in Höhe von 90 Euro zu hoch oder zu niedrig ist, kann ich nur sagen: Wir haben die Altersgrenze für den Erwerb eines Mopedführerscheins auf 15 Jahre heruntergesetzt. Das Erwerben des Führerscheins für Mopeds mit 15 Jahren ist ein Erfolgsfaktor für den ländlichen Raum. Dabei waren 90 Euro für eine Versicherung der Fahrzeuge kein Hindernis. Dies ist ein Beleg dafür, dass man die Mobilität im ländlichen Raum mit solchen Instrumenten verbessern kann. Die Aussage, dass 90 Euro für alle Familien eine übermäßige Belastung sind, kann ich so nicht teilen. Sicher sind die 90 Euro aber für Familien eine Belastung, die kein so gutes Einkommen haben.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Zierke! – Frau Kluckert, wollen Sie nachhaken?
Daniela Kluckert (FDP):
Ja, gerne. – Sie hatten angesprochen, dass für Jugendliche im ländlichen Raum Mobilität sehr wichtig ist. Wenn wir die Jugendlichen im ländlichen Raum halten wollen, müssen wir ihnen gute Mobilitätsangebote machen. Deswegen fordert die FDP-Bundestagsfraktion das begleitete Fahren bereits ab 16 Jahren. Was würden Sie sagen? Wie würde sich solch ein begleitetes Fahren ab 16 Jahren auf das Mobilitätsbedürfnis von Jugendlichen auswirken?
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Weil die Frage sich auf den Verkehrssektor bezieht, kann ich jetzt als Parlamentarischer Staatssekretär für meinen Bereich nur sagen, dass sich das begleitete Fahren ab 17 als ein sehr gutes Instrument erwiesen hat. Ich persönlich finde, dass man das begleitete Fahren ab 16 ausprobieren sollte, dies aber immer mit den Partnern der Verkehrssicherheit. Das ist aber meine persönliche Meinung und nicht abgestimmt mit dem Ressort.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Herr Zierke. – Dazu Frau Künast.
Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Danke. – Herr Staatssekretär, ich habe eine Nachfrage zu der Versicherungsfrage bei den Elektrorollern, weil die Kollegin quasi insinuierte, es solle keine Versicherungspflicht geben. Ich würde Sie gerne fragen: Gehe ich recht in der Annahme, dass, wenn es diese Versicherungspflicht nicht gibt, man sich dann entweder über die Hausratversicherung wie beim Fahrrad versichert – also doch wieder einen Versicherungsbeitrag zahlt – oder, weil es keinen Zwang gibt, man privat zahlt? Das heißt, falls ein Unfall mit dem E-Roller passiert, würden die betroffenen Jugendlichen oder ihre Eltern plötzlich 100, 200, 1 000, 5 000, 30 000 Euro oder sogar eine ganze Rente zahlen müssen, die sie dann nicht über eine Versicherung abrechnen können. Urplötzlich müssten auch arme Menschen im ländlichen Raum diese Riesensummen vorlegen, wenn es nicht zu einer Versicherungspflicht kommt. Wie sehen Sie das?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Zierke, bitte.
Stefan Zierke, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Sehr geehrte Frau Abgeordnete Künast, es ist so, dass neue Mobilität natürlich auch neue Ideen für Versicherungspflichten oder Nichtversicherungspflichten in den Raum stellt. „Versicherung“ heißt ja immer auch: Wird der Geschädigte oder der, der den Schaden zufügt, abgesichert? Hier geht es letztendlich auch darum, den Geschädigten zu schützen, wenn andere mit einem Gefährt unterwegs sind, das nicht entsprechend versichert ist. Aber es gibt eine Versicherungspflicht; diese wird durch eine Plakette gekennzeichnet. Ich denke, es ist in dem Bereich in Ordnung, wenn es eine Versicherungspflicht gibt.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen herzlichen Dank, Herr Zierke.
Dann rufe ich den Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit auf. Ich begrüße herzlich die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Weiss.
Die Fragen 4 und 5 des Kollegen Klaus-Peter Willsch werden schriftlich beantwortet.
Wir kommen jetzt zur Frage 6 des Kollegen Podolay von der AfD-Fraktion:
Hält die Bundesregierung die Einführung einer Impfpflicht gegen Masern bei einer Sterblichkeit von 0,1 Prozent für verfassungsgemäß, wenn das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG, Urteil vom 14. Juli 1959, I C 170.56) im Jahr 1959 die damals geltende Impfpflicht gegen Pocken damit rechtfertigte, dass eine Pockenerkrankung in circa 30 Prozent ( www.rki.de/DE/Content/Infekt/Biosicherheit/Agenzien/bg_pocken.pdf?__blob=publicationFile ) der Fälle tödlich verläuft?
Bitte, Frau Weiss.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Schönen Dank. – Herr Kollege, Ihre Frage beantworte ich gerne wie folgt: Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil vom 14. Juli 1959 unter anderem festgestellt, dass das Impfgesetz vom 8. April 1874, das damals in der Bundesrepublik galt, mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat dabei seinerzeit nicht allein die Pockenerkrankung und die Todesrate von 30 Prozent als Argument herangezogen. Nach den Feststellungen des Gerichts tastet eine Impfpflicht insbesondere nicht den Wesensgehalt des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit an. Das Gericht hat betont, dass der Gesetzgeber bei der Auswahl der in dieses Grundrecht eingreifenden Mittel zur Erreichung seiner Ziele Freiheiten hat, die erst dort enden, wo eine gesetzliche Maßnahme im Verhältnis zu der tatsächlichen Situation, derer sie Herr werden soll, „eindeutig unangemessen“ wäre. Eine Masernimpfpflicht, wie sie derzeit für vulnerable Gruppen bzw. Gemeinschaftseinrichtungen diskutiert wird, überschreitet diese Schwelle eindeutig nicht.
(Paul Viktor Podolay [AfD]: Danke!)
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Podolay, bitte.
Paul Viktor Podolay (AfD):
Ich habe eine Nachfrage. In den meisten europäischen Ländern mit einer Masernimpfpflicht liegen die Impfquoten für die entscheidende erste Masernimpfung unter den Quoten in Deutschland. Wie erklärt sich die Bundesregierung diese Situation?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Weiss, bitte.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Ich kann nicht erklären, wie die Situation in den anderen Ländern ist. Ich kann nur sagen, dass Bund und Länder in den vergangenen Jahren mit Maßnahmen, die auf einer Freiwilligkeit der Impfentscheidung beruhen, intensiv versucht haben, die Masern in Deutschland zu eliminieren. Trotz der dabei wohl erzielten Fortschritte wurde die erforderliche Impfquote von 95 Prozent insbesondere bei der zweiten Impfung bislang noch nicht erreicht. Deswegen halten wir eine Impfpflicht gegen Masern für erforderlich.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Podolay.
Paul Viktor Podolay (AfD):
Ich habe noch eine Nachfrage. 2017 lag die Impfquote bei Kindern von 3 bis 17 Jahren für die erste Masernimpfung laut Robert-Koch-Institut bei 97,4 Prozent und damit über den geforderten 95 Prozent. Für die zweite Impfung lag die Quote allerdings nur bei 93,6 Prozent. Hier könnte ein verbessertes Erinnerungssystem helfen. Wie begründet die Bundesregierung vor diesem Hintergrund die Verhältnismäßigkeit einer Impfpflicht?
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Ich habe das sozusagen gerade schon beantwortet: Wir haben über mehrere Jahre versucht, so etwas über Beratung und zusätzliche Informationen hinzubekommen. Das hat nicht gereicht.
Sie haben Ihre Frage gerade selbst beantwortet: Dass bei der zweiten Impfung die erforderlichen 95 Prozent immer noch nicht erreicht sind und die Zahl der Masernerkrankungen EU-weit von 2016 auf 2017 sogar deutlich gestiegen ist, zeigt uns, dass wir dringend eine Impfpflicht brauchen, um diese Krankheit auch irgendwann global ausrotten zu können, wie es im Übrigen seinerzeit, auch bei den Pocken geschehen ist, nachdem wir eine entsprechende Impfpflicht eingeführt hatten.
(Paul Viktor Podolay [AfD]: Vielen Dank!)
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Frau Weiss. – Dann kommen wir zur Frage 7 des Kollegen Harald Weinberg.
(Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD] meldet sich zu einer Nachfrage)
– Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie das ein bisschen schneller anzeigen könnten; das gilt für alle. – Bitte, Herr Dr. Kraft.
Dr. Rainer Kraft (AfD):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe noch eine Frage. Sie haben gesagt, dass die Zahl der Masernerkrankungen EU-weit ansteigt. Liegen Ihrem Ministerium irgendwelche Erkenntnisse vor, warum die Zahl der Masernerkrankungen innerhalb der EU von 2016 auf 2017 angestiegen ist? Wie hoch ist der Anstieg, und warum gab es einen Anstieg?
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Die Zahl der Masernerkrankungen in der EU belief sich 2016 insgesamt auf etwa 5 300. 2017 ist sie auf 24 000 angestiegen. Das heißt, je weniger geimpft wird, desto größer ist die Gefahr der Ansteckung; das ist eine ganz klare Folge. Wenn wir uns nicht relativ kurzfristig steigern können, was die Impfung anbetrifft, wird die Zahl der Masernerkrankungen noch deutlich nach oben schießen. Das gilt es zu vermeiden.
(Beifall der Abg. Dr. Daniela De Ridder [SPD])
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Frau Weiss.
Dann kommen wir jetzt zur Frage 7 des Kollegen Harald Weinberg:
Wann und durch wen werden erstmalig aggregierte und valide Daten zu Einhaltung und Wirksamkeit der Pflegepersonaluntergrenzen veröffentlicht?
Frau Weiss, bitte.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Verehrter Herr Kollege Weinberg, ich möchte Ihre Frage gerne wie folgt beantworten: Mit der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung sind zum 1. Januar 2019 erstmalig Pflegepersonaluntergrenzen in pflegesensitiven Krankenhausbereichen eingeführt worden. – Das zur Einleitung. Jetzt wird es etwas kompliziert.
Mit den Nachweisen für das Kalenderjahr 2019 ist voraussichtlich zum 31. Januar 2021 zu rechnen. Dieser Stichtag ergibt sich wie folgt: Für die Jahre ab 2019 haben die Krankenhäuser den Erfüllungsgrad der Einhaltung der Pflegepersonaluntergrenzen den Selbstverwaltungspartnern auf Bundesebene – also den Spitzenverbänden –, den Vertragsparteien auf Ortsebene und der jeweils für die Krankenhausplanung zuständigen Behörde nachzuweisen. Dieser Nachweis ist erstmals für das Kalenderjahr 2019 zum 30. Juni 2020 an das InEK zu übermitteln.
Der Nachweis der Einhaltung der Pflegepersonaluntergrenzen ist in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser zu veröffentlichen. Die Krankenhäuser erstellen selbst die Qualitätsberichte für das jeweils vergangene Jahr. Diese sind von den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen sowie vom Verband der Privaten Krankenversicherung bis zum 31. Januar des auf das Erstellungsjahr der Qualitätsberichte folgenden Jahres – in dem Falle 2020 – im Internet zu veröffentlichen. Das ist dann der 31. Januar 2021.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Weinberg.
Harald Weinberg (DIE LINKE):
Frau Staatssekretärin, das war jetzt alles ein bisschen kompliziert dargestellt.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Ja, tut mir leid.
Harald Weinberg (DIE LINKE):
Aber real ist es doch so – wenn ich es richtig verstanden habe; vielleicht können Sie mich korrigieren –, dass die Zahlen zumindest in einer aggregierten Form in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser schon vorliegen. Da ist meine Frage natürlich: Warum werden die Zahlen, wenn sie in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser quartalsweise vorliegen, dann nicht schon früher als zu dem von Ihnen genannten Datum veröffentlicht?
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Wir haben im Grunde genommen eine Dreistufigkeit. Vorhin habe ich von den validen Daten zur Einhaltung der Pflegepersonaluntergrenzen gesprochen, die am 31. Januar 2021 für 2019 – so wie ich das geschildert habe – veröffentlicht werden. Dann gibt es die Pflicht, dass die Krankenhäuser einmal je Quartal die Anzahl der Schichten zu melden haben, in denen die jeweils geltenden Pflegepersonaluntergrenzen nicht eingehalten worden sind, jeweils aufgeschlüsselt nach Monat und nach Art der Schicht. Diese Meldungen müssen spätestens bis zum Ablauf von zwei Wochen nach Beginn des folgenden Quartals geschehen – das war, glaube ich, Ihre Frage zum Quartal. Für das erste Quartal 2019 war diese Meldung bis zum 15. April 2019 gegenüber dem InEK zu erbringen. Dann gibt es noch eine dritte Stufe: Bis zum 31. Dezember 2022 ist dem Deutschen Bundestag über das Bundesministerium für Gesundheit ein wissenschaftlicher Bericht über die Auswirkungen der festgelegten Pflegepersonaluntergrenzen vorzulegen. Diese Daten stammen von den Selbstverwaltungspartnern auf Bundesebene, wo sie gesammelt werden.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Weinberg.
Harald Weinberg (DIE LINKE):
Ich will einfach noch mal deutlich machen, warum ich an dieser Stelle so insistiere. Wir selber sind nicht davon überzeugt, dass die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung eine Wirksamkeit in den Krankenhäusern haben wird. Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein; Sie sind sicher anderer Meinung als ich.
Für den Gesetzgeber ist es wichtig, dass, wenn eine Wirksamkeit oder Unwirksamkeit eintritt, er rechtzeitig reagieren kann. Die Daten, um rechtzeitig zu reagieren, wären eigentlich vorhanden, werden aber erst 2022, wenn ich Sie richtig verstanden habe, dem Bundestag erstmals übermittelt, obwohl sie vorher schon existieren. Deswegen frage ich noch mal nach: Warum werden diese Daten nicht zumindest gegenüber dem Gesetzgeber – dem Bundestag, den Abgeordneten – früher veröffentlicht oder zumindest zugänglich gemacht, damit wir früher auf mögliche Fehlentwicklungen reagieren können?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Weiss.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Zunächst einmal haben wir ein Selbstverwaltungssystem. Die Selbstverwaltungspartner bekommen, wie ich gerade sagte, einmal je Quartal die Anzahl der Schichten übermittelt und können die Zahlen überprüfen. Wir haben die ganze Sache natürlich auch immer im Blick und werden dann, wenn es Ausschläge geben sollte, die uns nicht mehr zufriedenstellen können, nachhaken. Dass Sie anderer Meinung sind, ist völlig in Ordnung. So ist unsere Demokratie, und das ist gut so.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank. – Dann kommen wir jetzt zur Frage 8 der Kollegin Carina Konrad.
Wie hoch ist der Anteil der zugelassenen Arzneimittel in Deutschland, die aus gentechnischer Herstellung stammen bzw. mittels Genome-Editing-Verfahren hergestellt wurden, und mit welchem Anteil an Neuzulassungen von Arzneimitteln, welche mit den genannten Verfahren hergestellt wurden, rechnet die Bundesregierung in den nächsten Jahren?
Frau Weiss, bitte.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Werte Frau Kollegin, Ihre Frage möchte ich wie folgt beantworten: Gentechnisch hergestellte Arzneimittel enthalten Wirkstoffe, die auf gentechnischem Wege, unter anderem mit Verfahren des Genome Editings, hergestellt wurden. Dabei kommen unter anderem gentechnisch veränderte Zellen oder Mikroorganismen, die diese Wirkstoffe produzieren, zum Einsatz.
Das Bundesministerium für Gesundheit verfügt über keine eigenen systematisch aufbereiteten Daten zum bestehenden Anteil und zur künftigen Entwicklung dieser Arzneimittel an den in Deutschland zugelassenen Arzneimitteln. In der Kürze der für die Beantwortung zur Verfügung stehenden Zeit ab Freitagmittag letzter Woche konnte eine statistische Erhebung nicht durchgeführt werden. Sobald uns die Angaben vorliegen, werden wir Ihnen diese gerne nachreichen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Konrad.
Carina Konrad (FDP):
Vielen Dank. Vielen Dank auch ausdrücklich dafür, dass Sie die Daten nachreichen. – Die Frage, die ich gestellt habe, ist umfangreich. Trotzdem möchte ich gerne nachfragen. Die Rote Gentechnik hat zu Erfolgen in der Medizin geführt. Es geht darum, das Dreieck aus Hoffen, Bangen und Deckung der Kosten in Einklang zu bringen. Wie ist die gesellschaftliche Akzeptanz Roter Gentechnik heute in Deutschland zu beurteilen? Was ist Ihr Eindruck?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Weiss.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Da ich keine Glaskugel zu Hause habe, kann ich Fragen nach solchen Prognosen schlecht beantworten. Ich kann Ihnen aber sagen, dass die Anwendungen dieser Gentechnik zu deutlichen Fortschritten in der Medizin geführt haben, denken wir zum Beispiel an die Behandlung von Diabetes, Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis und, und, und. Diese Mittel helfen den Menschen. Ich denke, deshalb ist eine deutliche Akzeptanz gegeben.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank. – Frau Konrad, wollen Sie noch einmal nachfragen?
Carina Konrad (FDP):
Ja, ich würde gerne kurz nachfragen. – Was glauben Sie, was man tun kann, oder tun Sie etwas, auch seitens der Bundesregierung, um die Erfolge zu kommunizieren, die die Rote Gentechnik für den medizinischen Fortschritt, für die Gesundheit der Menschen oder auch für die Heilung von Menschen gebracht hat?
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Ich glaube nicht, dass wir dazu da sind, Werbung für Gentechnik zu machen. Immer dann, wenn Medikamente vom Gemeinsamen Bundesausschuss zugelassen werden, werden sie im Anschluss natürlich entsprechend beworben und wird die Wirksamkeit der Mittel dargestellt. Ich denke, das müsste ausreichend sein.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Frau Weiss.
Die Frage 9 der Abgeordneten Sabine Zimmermann wird schriftlich beantwortet.
Ich rufe Frage 10 der Kollegin Dr. Kirsten Kappert-Gonther auf:
Aus welchen Gründen hat sich die Bundesregierung in dem vom Bundesministerium für Gesundheit vorgelegten Referentenentwurf zur Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) bei der Festschreibung einer Frauenquote für Spitzengremien des Gesundheitswesens auf den GKV-Spitzenverband beschränkt und für andere öffentlich-rechtliche Körperschaften wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Kassenärztlichen Vereinigungen oder Krankenkassen keine solche Quote vorgesehen, obwohl Frauen in deren Vorständen und Aufsichtsgremien wesentlich stärker unterrepräsentiert sind als im GKV-Spitzenverband (vergleiche Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 3, 5 und 9 der Kleinen Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Bundestagsdrucksache 19/725)?
Frau Weiss, bitte.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Werte Frau Kollegin, ich möchte Ihre Frage wie folgt beantworten: Der Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode sieht vor, dass eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Leitungsfunktionen des öffentlichen Dienstes bis 2025 erreicht werden soll. Das Bundesministerium für Gesundheit hat in einem ersten Schritt – das betone ich – im Rahmen der Neuordnung der Strukturen des GKV-Spitzenverbandes in den Referentenentwurf eines Gesetzes für eine faire Kassenwahl in der gesetzlichen Krankenversicherung Regelungen aufgenommen, mit denen eine angemessene Repräsentanz von Frauen bei der Besetzung der Entscheidungsgremien des GKV-Spitzenverbandes sichergestellt werden soll. Danach alleine haben Sie aber nicht gefragt.
Darüber hinaus plant die Bundesregierung eine Änderung des Bundesgleichstellungsgesetzes. Da sich der Geltungsbereich des Bundesgleichstellungsgesetzes auch auf die Körperschaften des öffentlichen Rechts des Bundes erstreckt, würden davon auch die Selbstverwaltungskörperschaften im Gesundheitswesen auf Bundesebene erfasst, also Kassenärztliche Bundesvereinigungen, GKV-Spitzenverband, bundesunmittelbare Krankenkassen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Frau Weiss. – Frau Dr. Kappert-Gonther, bitte.
Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank, Frau Staatssekretärin, für diese Antworten, die ja erst einmal Hoffnung machen, dass die unglaubliche Ungerechtigkeit, dass Frauen in den Entscheidungsgremien des Gesundheitswesens bisher unterrepräsentiert sind, von Ihnen auch erkannt wird und dass Sie vorhaben, dagegen etwas zu tun. Ich frage ganz konkret: Planen Sie, auch eine Frauenquote für die KBV und die KZBV anzuregen?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Weiss, bitte.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Ja, wir wollen zunächst einmal das neue Bundesgleichstellungsgesetz abwarten. Die Erhöhung der Repräsentanz von Frauen auch auf den unteren Ebenen ist für uns nach wie vor ein wichtiges Ziel. Inwieweit weitere gesetzgeberische Aktivitäten zur Erreichung dieses Ziels notwendig sein werden, wird dann zu prüfen sein. Ich bin sicher, Sie bleiben am Ball, und ich werde das auch tun.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Frau Weiss. – Frau Kappert-Gonther, haben Sie dazu eine Nachfrage?
Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Das ist ja schon einmal eine ganz schöne Geschichte. Jetzt machen wir weiter.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Gut. – Dann kommen wir zur Frage 11 der Abgeordneten Dr. Kirsten Kappert-Gonther:
Unterstützt die Bundesregierung die Einführung eines Tabakwerbeverbots, insbesondere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der einerseits gegenüber dem „Spiegel“ gesagt hat, als Gesundheitsminister unterstütze er Vorschläge, die Tabakwerbung weiter einzuschränken („Der Spiegel“, 9. Februar 2019), und andererseits in einem Interview mit der „Welt“ sagte, Rauchen sei sehr schädlich, aber „Wir können den Leuten nicht alles vorgeben“ („Die Welt“, 5. April 2019), und welche europäischen Länder haben nach Kenntnis der Bundesregierung bereits ein Verbot der Außenwerbung für Tabakprodukte beschlossen?
Frau Weiss, bitte.
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Die Verringerung des Tabakkonsums – das beschäftigt uns ja seit einigen Jahren immer wieder –, insbesondere in Bezug auf Kinder und Jugendliche, ist ein wichtiges gesundheitspolitisches Ziel der Bundesregierung; auch unsere Drogenbeauftragte macht uns darauf immer wieder aufmerksam. Dieses Ziel versuchen wir als Bundesregierung durch aufeinander abgestimmte präventive Maßnahmen, gesetzliche und strukturelle, zu erreichen. Dabei ist die Beschränkung der Tabakwerbung ein Baustein.
Im parlamentarischen Raum – das haben Sie sicherlich auch mitbekommen – wird derzeit darüber diskutiert, bestehende Werbeverbote, die wir für Tabakwaren schon haben, auszuweiten. Diese Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Ich weiß: Mit Ausnahme von Deutschland haben innerhalb der Europäischen Union alle Mitgliedstaaten ein Verbot der Außenwerbung für Tabakprodukte beschlossen. Die parlamentarische Diskussion ist, wie ich in den letzten Tagen erlebt habe, sehr heftig. Wir hatten 2016 schon einen abgestimmten Regierungsentwurf, der das Plenum aber in der letzten Legislaturperiode leider nicht mehr erreicht hat.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Frau Weiss. – Frau Kappert-Gonther.
Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank, Frau Staatssekretärin, für die Antwort. – Ich frage noch mal konkret nach: Es ist ja bekannt, dass ein Gesetzentwurf von Bündnis 90/Die Grünen für ein Tabakwerbeverbot vorliegt, der vorsieht, endlich auch in Deutschland großformatige Werbung für Tabakprodukte im öffentlichen Raum zu verbieten, wie es in allen EU-Ländern der Fall ist. Können wir in dieser Legislaturperiode mit einer Initiative dazu von Ihnen rechnen?
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Ich gehe davon aus, dass die parlamentarische Gesetzesinitiative vom Parlament ausgehen wird. Ich bin da aber sehr zuversichtlich.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Danke schön. – Nachfrage?
Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Ja, ich habe noch eine Nachfrage. – Vielen Dank für die Antwort, Frau Staatssekretärin. Sie haben ja auch mitbekommen, dass die großen Tabakkonzerne ihre Werbestrategie geändert haben. Sie bewerben auf diesen großen Plakatwänden inzwischen E-Zigaretten und Tabakerhitzer als neue Lifestyleprodukte. Diese Werbung richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche bzw. spricht – zumindest das ist klar – vor allem Kinder und Jugendliche an. Das wissen wir aus den USA. Gibt es Planungen, dieser Werbestrategie einen Riegel vorzuschieben?
Sabine Weiss, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit:
Es wird diskutiert, dass sich diese Werbeverbote auch auf E-Zigaretten beziehen sollen, also nicht nur auf Tabakerzeugnisse, sondern auch auf nikotinhaltige Erzeugnisse. Ich gebe Ihnen recht: Die Werbung verleitet gerade Jugendliche zum Rauchen. Dazu gibt es etliche Studien. Das haben wir fest im Blick. Ich denke, wir werden da zu einem guten Ergebnis kommen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Frau Weiss.
Dann kommen wir zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ich begrüße Enak Ferlemann, der die Fragen beantworten wird.
Die Frage 12 von Stephan Kühn wird schriftlich beantwortet.
Wir kommen zur Frage 13 des Kollegen Stefan Schmidt:
Welche genauen Erwartungen hinsichtlich konkreter Zusagen der tschechischen Seite hat die Bundesregierung bei der Metropolenbahn München/Nürnberg–Schwandorf–Regensburg–Furth i. W.–Prag, um selbst einen Planungsauftrag zu erteilen (bitte detaillierter aufschlüsseln, als dies bisher in den Antworten auf meine schriftlichen Fragen auf Bundestagsdrucksache 19/9822, 175 auf Bundestagsdrucksache 19/8434 und 150 auf Bundestagsdrucksache 19/7797 erfolgte), und wie sieht der konkrete Zeitplan für die Aufnahme und den geplanten Abschluss der Gespräche mit der tschechischen Seite zur einvernehmlichen Realisierung des Gesamtprojekts Metropolenbahn aus (bitte konkrete Termine benennen, soweit vorhanden)?
Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Fragesteller wünscht eine Aussage zur Metropolenbahn München/Nürnberg–Schwandorf–Regensburg–Furth im Wald nach Prag.
Ich beantworte die Frage wie folgt: Mit dem Aufrücken des Vorhabens in den Vordringlichen Bedarf des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege wurde die gesetzliche Grundlage für die Aufnahme der Planung und den Ausbau dieser Strecke geschaffen. Mit dem zugrundegelegten reduzierten Ausbau ist das Bedarfsplanprojekt nicht mehr mit dem früher unter dem Arbeitstitel „Metropolenbahn“ angedachten Projekt identisch.
Die nächste Sitzung der Gemeinsamen interministeriellen tschechisch-deutschen Arbeitsgruppe findet im Juni 2019 statt. Dabei werden der Ausbau der Strecke München/Nürnberg–Regensburg–Schwandorf–Furth im Wald–Pilsen thematisiert und Informationen über die grenzüberschreitenden Strecken sowie grundlegende Informationen über Ausbaumaßnahmen ausgetauscht und abgestimmt. Zur Planung dieses grenzüberschreitenden Projektes ist weiterhin eine enge Abstimmung des Planungsprozesses und der Realisierungsphase durch die beteiligten Regierungen und Infrastrukturbetreiber erforderlich. Neben technischen Fragen und Umweltfragen ist dabei auch die Sicherung der Finanzierung zu berücksichtigen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Herr Ferlemann. – Herr Schmidt, bitte.
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank, Frau Präsidentin, für die Ermöglichung der Nachfrage. – Herr Ferlemann, wir beide sind in den letzten Wochen häufiger mit diesem Thema beschäftigt gewesen. Doch ich bekomme von Ihnen immer wieder eine relativ gleichlautende Antwort. Sie machen nie deutlich, was Tschechien noch tun muss, damit Sie bereit sind, einen Planungsauftrag an die DB zu geben, und diese Metropolenbahn gebaut werden kann.
Es muss ja in irgendeiner Form eine Berechnung gegeben haben, die zu einem positiven Nutzen-Kosten-Ergebnis geführt hat. Dabei sind Sie ja von bestimmten Annahmen ausgegangen. Ich möchte von Ihnen ganz konkret wissen: Was stand in diesen Annahmen? Was muss Tschechien noch tun, damit Sie den Planungsauftrag vergeben?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Ferlemann.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Herr Kollege, wir haben in der Tat eine Bewertung vorgenommen. Es war außerordentlich schwierig, diese Infrastrukturleistung in ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis zu bringen. Das ging nur dadurch, dass wir unterstellt haben, dass die Tschechen in einem angemessenen Umfang ihren Streckenabschnitt ausbauen. Insofern ist es von herausragender Bedeutung, dass die Tschechen erklären, dass sie ihren Streckenabschnitt bauen bzw. erst einmal planen. Dann können wir uns anschließen. Derzeit hat für die Tschechen der Ausbau der Strecke Dresden–Prag oberste Priorität, die ja auch Bestandteil der Planungsleistung sein soll. Insofern müssen wir mit den Tschechen in der interministeriellen Arbeitsgruppe klären, ob sie dieselbe Priorität setzen wie wir und ob sie die Planung aufnehmen. Dann können wir unseren Planungsauftrag auslösen – vorher nicht.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank. – Herr Schmidt, Nachfrage?
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Ja, vielen Dank, ich habe eine zweite Nachfrage. – Sie sagen, Herr Ferlemann, dass ein angemessener Ausbau aufseiten Tschechiens notwendig ist und dass da auch entsprechend geplant, gebaut werden müsse. Das teile ich selbstverständlich. Es ist allerdings so, dass in den letzten zehn Jahren die tschechische Seite regelmäßig gesagt hat: „Wir sind so weit; Deutschland muss jetzt nachziehen“, und Tschechien ganz konkret die Planungen bereits angegangen ist und der Bau auch schon begonnen hat. Zumindest habe ich von der IHK, der Industrie- und Handelskammer, auf tschechischer Seite vor ein oder zwei Monaten diese Rückmeldung bekommen. Die öffentliche Forderung gibt es schon seit zehn Jahren. Meine zweite Nachfrage: Ein Abgeordnetenkollege aus der Region hat vonseiten des Verkehrsministeriums die Rückmeldung bekommen, dass bereits im April dieses Jahres die Gespräche mit der Deutschen Bahn zum Ausbau beginnen sollten. Gab es diese Gespräche und, wenn nein, warum nicht?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
So sehr ich die IHK schätze: Für uns ist zuallererst die Auskunft des tschechischen Verkehrsministeriums entscheidend. Es gibt diese Arbeitsgruppe ja nicht nur, um diesen Punkt zu klären, sondern auch, um eine ganze Reihe anderer Punkte im grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr zu klären. Aber auch hier müssen die Tschechen klipp und klar sagen, wie ihre Priorität ist, wann der Ausbau beginnt, wie der Standard sein wird. Dann werden wir uns an diesen Streckenausbau und die Planung anhängen, weil wir das ohne die tschechische Seite nicht können.
Zum zweiten Teil Ihrer Frage, ob schon mit dem Ausbau begonnen wurde, kann ich sagen: Auf unserer Seite ist das sicherlich nicht der Fall. Auf tschechischer Seite werden wir uns genau ansehen, wie weit der Ausbau fortgeschritten ist und welche Prioritäten in den nächsten Jahren gesetzt werden. Zur Frage der Finanzierung kann man sagen: Wenn wir den Ausbau angehen, ist die Finanzierung auch gesichert.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank. – Dann kommen wir jetzt zur Frage 14 des Kollegen Matthias Gastel:
Seit wann (bitte Zeitpunkt angeben) engagiert die Deutsche Bahn AG Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte/Anwaltskanzleien für die Vorbereitung und Durchführung der Klage gegen die Projektpartner des Bahnprojektes Stuttgart 21 mit dem Ziel, diese an den Mehrkosten zu beteiligen ( www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-stuttgart-21-langeswarten-auf-milliardenprozess.e2324b34-26d3-4382-a7ba-1639fee55e12.html ), und welche Kosten sind für den bundeseigenen Bahnkonzern hierfür bisher angefallen (bitte Kosten nach Jahren angeben)?
Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Der Kollege Gastel fragt zum Projekt Stuttgart 21 – wie immer –, ob wir Anwaltskosten in Anspruch genommen haben. Ich gebe folgende Antwort: Die Deutsche Bahn AG wird in dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart, welches die Geltendmachung der Mehrkosten auf Grundlage der sogenannten Sprechklausel zum Gegenstand hat, seit 2015 von einer Rechtsanwaltskanzlei vertreten. Bis einschließlich 2018 sind durch diese Tätigkeit im Rahmen des Stuttgart-21-Mandats Kosten in Höhe von circa 3,3 Millionen Euro entstanden, 2015 rund 1 Million Euro, 2016 ebenso, 2017 rund 240 000 Euro und 2018 wieder rund 1 Million Euro.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Herr Ferlemann. – Herr Gastel.
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank. Ich nutze die Gelegenheit für eine Nachfrage natürlich gerne. – Herr Staatssekretär Ferlemann, es gibt ja verschiedene Projektpartner, die eine Verantwortung für dieses Projekt tragen. Die Deutsche Bahn ist sozusagen in der Hauptverantwortung. Das Land Baden-Württemberg ist in Mitverantwortung und wird jetzt von der Deutschen Bahn auf Übernahme der Mehrkosten verklagt. Wie schätzen Sie die Situation ein? Ist es für das Gelingen eines gemeinsamen Projektes nicht eine Belastung, wenn der eine Projektverantwortliche den anderen verklagt und man noch einige Jahre an Strecke vor sich hat, wo noch so manche Entscheidungen gemeinsam zu treffen sind, vielleicht auch Veränderungen vorzunehmen sind? Trägt das nicht zu einer Erhöhung der Schwierigkeiten des Projektes bei? Oder sagen Sie: „Ist halt so, kann man nicht ändern“?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Ferlemann.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Um auf Ihre Frage konkret zu antworten: Ich würde sagen, dass es halt so ist. Aber vom Grundsatz her ist es so: Es ist ein faszinierendes Projekt, für das kommende Generationen uns dankbar sein werden, dass wir es realisiert haben.
Die Problematik ist: Wenn sich Projektpartner zusammenfinden, tun sie es ja, um einen Erfolg zu generieren. Schade ist, dass das Projekt deutlich teurer wird als ursprünglich kalkuliert. Es war eine Sprechklausel vereinbart, dass man sich in einem solchen Fall verständigen will. Zu einer solchen Verständigung ist es leider nicht gekommen. Dann bleibt eben nur der Gang vor ein Gericht. Das ist zu bedauern, aber die logische Konsequenz und Folge. Natürlich ist ein Gerichtsverfahren immer belastend für Partner, die eigentlich gemeinsam einen Erfolg wollen. Von daher ist es schade, dass es so gekommen ist. Nun ist es so, und damit müssen wir leben.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Wollen Sie eine Nachfrage stellen, Herr Gastel? – Dann bitte schön.
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Herr Staatssekretär, Ihre Aussage, dass sich künftige Generationen auf dieses Projekt freuen, wage ich zu bezweifeln. Die werden eher fragen: Was habt ihr uns da gebaut? – Überall wird der Deutschland-Takt kommen und damit bessere Angebote auf der Schiene. Auf dem geschrumpften Bahnhof von heute 16 und zukünftig 8 Bahngleisen wird das Angebot der Zukunft nicht möglich sein. Es ist ein Projekt der 90er-Jahre. Ich hoffe sehr, dass es noch Weiterentwicklungsmöglichkeiten gibt, damit es halbwegs zukunftsfähig wird.
Aber meine Frage, die ich habe, bezieht sich auf die Mehrkosten. Nicht finanziert ist derzeit die Differenz zwischen 4,5 Milliarden Euro – das ist der Betrag, über den man eine Vereinbarung hatte, wer wie viel trägt – und mindestens 8,2 Milliarden Euro; das ist die letzte Kostenfeststellung. Nachdem die letzte Kostenfeststellung von 8,2 Milliarden Euro schon einige Zeit her ist, ist meine Frage: Wie ist der aktuelle Sachstand über die Kostenentwicklung? Wir wissen, dass bei allen Bahnprojekten die Kosten extrem ansteigen. Es wäre ein Wunder, wenn dies ausgerechnet bei Stuttgart 21 nicht der Fall wäre. Was ist Ihre Kenntnis bezüglich des aktuellen Kostenstandes für Stuttgart 21?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Herr Kollege Gastel, Sie wissen, dass der eigentliche Kostenstand auf 7,2 Milliarden Euro taxiert war. Die 1 Milliarde Euro mehr war ein Sicherheitspuffer. Bei den derzeitigen Ausschreibungen ist davon auszugehen, dass aufgrund der steigenden Baukosten in Deutschland – die Preise sind zum Teil 30 Prozent und mehr angestiegen – mit einer deutlichen Mehrbelastung zu rechnen ist. Nach einer aktuellen Information, die ich habe, befindet sich das Projekt im Rahmen von 8,2 Milliarden Euro, wird also nicht aus diesem Rahmen herausfallen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Danke schön, Herr Ferlemann. – Dann kommen wir zur Frage 15 des Kollegen Matthias Gastel:
Wie hat sich die Personalstärke für die Planung von Sanierungs-, Aus- und Neubauprojekten bei der Deutschen Bahn AG seit dem Jahr 2010 entwickelt, und wie hat sich die Personalstärke für die Projektgenehmigung beim Eisenbahn-Bundesamt seit dem Jahr 2010 verändert (bitte umgerechnet auf Vollzeitstellen und für die einzelnen Jahre angeben)?
Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Hier möchte Herr Gastel wissen, welche Personalstärke wir bei den Aus- und Neubauprojekten bei der DB haben. Ich beantworte die Frage wie folgt:
Die Personalstärke in den Berufsfeldern Bauprojektmanagement und Bauprojektplanung hat sich nach Angaben der DB AG wie folgt entwickelt: Im Jahr 2012 waren es 3 980 Vollzeitpersonalstellen, 2013 4 784 Vollzeitpersonalstellen, 2014 5 192 Vollzeitpersonalstellen, 2015 5 588 Vollzeitpersonalstellen, 2016 6 174 Vollzeitpersonalstellen, 2017 6 788 Vollzeitpersonalstellen und 2018 7 605 Vollzeitpersonalstellen. Für die Jahre 2010 und 2011 gibt es systembedingt keine Angaben.
Die Personalstärke des Eisenbahn-Bundesamtes hat sich im Bereich Planfeststellung seit 2010 wie folgt entwickelt – auch wieder im Vollzeitäquivalent –: 2010 109,6 Stellen, 2011 114,3 Stellen, 2012 117,1 Stellen, 2013 108 Stellen, 2014 114,5 Stellen, 2015 118,2 Stellen, 2016 124,6 Stellen, 2017 133,5 Stellen, 2018 138,9 Stellen und 2019 137,5 Stellen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Gastel, Sie wollen?
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Richtig geraten: Ich will eine Nachfrage stellen. – Insbesondere bei der Deutschen Bahn, Herr Staatssekretär Ferlemann, haben Sie einen deutlichen Stellenaufwuchs dargestellt. Das ist mit Sicherheit erfreulich. Beim Eisenbahn-Bundesamt geht es ein bisschen hin und her, aber von der Tendenz auch nach oben. Wir diskutieren das Thema Planungsbeschleunigung, was entsprechende Personalausstattungen bei der Planung und bei der Genehmigung und damit einmal bei der DB und einmal beim Eisenbahn-Bundesamt voraussetzt. Wir sprechen auch darüber, möglicherweise die Investitionen zu erhöhen, um die Bahn wieder fitter zu machen. Gehen Sie davon aus, dass dieser Personalaufwuchs, so wie er sich jetzt darstellt, ausreicht, um diese Ziele zu erreichen?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Danke schön. – Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Das muss man differenziert beantworten. Bei der Planfeststellung gehe ich davon aus, dass es immer gut ist, wenn wir neue Stellen bekommen, und wir haben mit dem Stellenhochlauf, den Sie zu Recht belobigen, ganz gut auf die Situation reagiert. Anders ist das, wenn wir Anhörungsbehörde sind; und das sind wir ab 2020. Das ist eine neue Aufgabe nach dem Planungsbeschleunigungsgesetz, die auf das Eisenbahn-Bundesamt zugekommen ist. Wir haben 92 zusätzliche Stellen angemeldet, und von diesen 92 zusätzlichen Stellen entfallen 82 Stellen auf die neue Anforderung als Anhörungsbehörde. Daraus können Sie ersehen, dass wir für diese neue Aufgabe einen deutlichen Stellenaufwuchs brauchen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Nachfrage?
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Ja, Frau Präsidentin. Vielen Dank. – Ich habe noch eine Frage, die ich aus rechtlichen Gründen, was die Anzahl der zulässigen Unterfragen angeht, nicht unterbringen konnte. Wenn man die Planung und die Genehmigung angesprochen hat, bleibt noch die Frage: Wenn es im Streitfall vor Gericht geht, sind die Gerichte dann so ausgestattet, dass die Verfahren, die, was die Planung und die Genehmigung angeht, schnell über die Bühne gegangen sind, nicht noch Jahre bei den Gerichten hängen? Wie sieht die personelle Situation vor Gericht aus? Vielleicht können Sie mir das sagen oder es mir gegebenenfalls schriftlich nachreichen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Das betrifft gar nicht mein Ressort, sondern den Justizbereich; dafür sind wir nicht zuständig. Es geht im Wesentlichen um das Bundesverwaltungsgericht, wie die Ausstattung der Senate ist, wie viele Senate es gibt. Das müsste ich Ihnen schriftlich beantworten, weil ich die Auskünfte vom Justizministerium dazu brauche.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Herr Ferlemann. – Die Frage 16 von Andrej Hunko wird schriftlich beantwortet.
Leibhaftig geht es jetzt zur Frage 17 der Kollegin Gökay Akbulut:
Aus welchem Grund haben das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bzw. die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr ihren Gefahrenverdacht, der schließlich in eine Festhalteverfügung (vergleiche Pressemitteilung von „Mare Liberum“ vom 29. April 2019, https://mare-liberum.org/de/presse ) mündete, nicht am konkreten Zustand des Schiffes „Mare Liberum“ bzw. dessen Nutzungszweck zur Beobachtung des Mittelmeers nach Seenotrettungsfällen orientiert, wozu der Verein „Mare Liberum“ für eine Gefahreinschätzung sogar die Besichtigung des Schiffes anbot und dieses nach meiner Kenntnis über alle notwendigen Zeugnisse verfügt, die nach einer Neuvermessung des Schiffes am 3. August 2018 zur Eintragung ins deutsche Schiffsregister durch das Bundesamt für Seeschifffahrt Rostock geführt haben, und inwiefern gilt ein solcher angeblicher Gefahrenverdacht aus Sicht des Bundesministeriums auch in Fällen, in denen für Sport- und Freizeitzwecke zugelassene Schiffe zur Beobachtung von Regatten oder anderen kommerziellen Veranstaltungen genutzt werden?
Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Die Kollegin fragt nach dem Sachstand eines Schiffs, das eine Festhalteverfügung bekommen hat. Es ist ein Schiff, das Seenotrettung im Mittelmeer auf privatwirtschaftlicher Basis organisiert. Ich gebe dazu folgende Antwort: Deutschland ist international verpflichtet, die Sicherheit von Schiffen, welche die deutsche Flagge führen, zu gewährleisten. Das geschieht nach gesetzlichen Vorschriften. Die deutsche Flaggenstaatsverwaltung wird bei Erfüllung aller schiffssicherheitsrechtlichen Voraussetzungen die erforderlichen Sicherheitszeugnisse ausstellen. Vor dem Hintergrund eines laufenden Gerichtsverfahrens zu dem Schiff „Mare Liberum“ und der damit verbundenen Frage der Kategorisierung eines bestimmten Schiffstyps ist eine Stellungnahme nicht möglich.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Akbulut.
Gökay Akbulut (DIE LINKE):
Vielen Dank für Ihre Antwort. – Diese Woche hat die Organisation Sea-Watch in Belgien ein gerichtliches Verfahren, in dem es auch um eine Festhalteverfügung ging, gewonnen. Zwar ging es um einen anderen Sachverhalt, jedoch wird deutlich, dass NGO-Schiffe systematisch festgehalten werden und Menschen, wie zuletzt wiederholt, im Mittelmeer ertrinken, weil vor Ort weder zivile noch staatlich organisierte Seenotrettung vorhanden ist. Da die Verfahren gewonnen werden: Begrüßen Sie, dass die NGO-Schiffe jetzt endlich wieder auslaufen und Menschen in Seenot retten können?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Ferlemann.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Ich begrüße es zuallererst, wenn die Schiffe keine Festhalteverfügung mehr haben. Wenn alle Auflagen erfüllt sind, bekommt das Schiff ein Sicherheitszeugnis und kann dem Einsatz entsprechend eingesetzt werden. Das würde ich sehr begrüßen. Aber die Aufgabe ist ja zunächst einmal, die Auflagen zu erfüllen, damit es zu einem Schiffsicherheitszeugnis kommt.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Frau Akbulut.
Gökay Akbulut (DIE LINKE):
Ihren angeblichen Gefahrenverdacht begründen Sie auch damit, dass das Schiff „Mare Liberum“ für Sport- und Freizeitzwecke zugelassen ist, dort aber Menschen mit Ferngläsern auf dem Deck stehen würden. Was meinen Sie denn konkret mit dieser Begründung? Besteht denn aus Ihrer Sicht eine Gefährdung einer Schiffsbesatzung, wenn diese das Mittelmeer nach Seenotrettungsfällen absucht? Ich möchte erwähnen – Sie wissen das ja –, dass die „Mare Liberum“ keine Menschen an Bord nimmt und auch keinen kommerziellen Zwecken dient, sondern in einem Notfall sofort die zuständige Seenotrettungsleitstelle alarmiert, damit entsprechende Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden können. Worin besteht Ihrer Begründung nach also die Gefährdung, wenn junge Menschen mit ihren Ferngläsern auf dem Deck eines Schiffes stehen?
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Ferlemann.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Das Schiff fährt unter deutscher Flagge. Deswegen unterfällt es dem deutschen Rechtsregime. Hier ist es nun einmal so: Es ist ein Fischkutter, der für Freizeitzwecke angemeldet worden ist, aber für Freizeitzwecke nicht benutzt wird. Also kommt er in eine andere Kategorie und bekommt damit andere Sicherheitsauflagen, vor allem, weil sich der Zweck, unter dem dieses Schiff läuft, vollkommen geändert hat. Von daher gesehen ist es richtig, was die Behörde gemacht hat. Sie hat vollkommen zu Recht eine solche Verfügung erlassen, weil erst die Auflagen erfüllt werden müssen, die derzeit nicht erfüllt sind.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank, Herr Ferlemann. – Eine Nachfrage von Herrn Straetmanns.
Friedrich Straetmanns (DIE LINKE):
Ich muss jetzt doch direkt nachfragen, weil wir hier gerade über den Zulassungsbereich streiten. Sie haben gesagt, das Schiff sei nur für Sport- und Freizeitzwecke zugelassen, und haben mit einer kommerziellen Nutzung argumentiert. Uns als Linke interessiert natürlich schon, wann ein solcher Freizeitzweck aus Ihrer Sicht als kommerziell zu werten ist – wir wissen alle, welche Tätigkeit auf der „Mare Liberum“ verrichtet wird – und ob es dazu Gerichtsentscheidungen und Präzedenzfälle gibt, die die Festhalteanordnung für das Schiff rechtfertigen.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Herr Ferlemann.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Es gibt überall Rechtsprechungen, die zeigen, dass das Vorgehen unserer Behörden in vergleichbaren Fällen vollkommen korrekt war. Zuständig ist die Berufsgenossenschaft für die Verkehrswirtschaft, Dienststelle Schiffssicherheit. Sie hat aus unserer Sicht einwandfrei gehandelt. Es gibt keinen Anlass, dort im Wege der Rechts- oder Fachaufsicht einzugreifen. Wir tun das ganz bewusst auch deshalb nicht, weil es hier nicht um die Frage geht, ob man für die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer ist, ja oder nein. Es geht hier ausschließlich um die Fragen der Schiffssicherheit. Deswegen ist das Vorgehen korrekt.
Sie wissen, dass dieser Vorgang bei einem deutschen Gericht liegt. Deswegen möchte ich darauf verzichten, die einzelnen Detailfragen, die vom Gericht beurteilt werden müssen, jetzt bundesregierungsseitig zu bewerten.
Vizepräsidentin Claudia Roth:
Vielen Dank. – Dann kommen wir zur Frage 18 des Kollegen Stefan Gelbhaar:
Wie viele Mitarbeitende im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sind mit dem Thema „Flughafen Berlin Brandenburg, BER“ betraut, und wie häufig erstatten sie dem Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Bericht über den Flughafen Berlin Brandenburg, BER?
Herr Ferlemann, bitte.
Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur:
Der Kollege Gelbhaar fragt nach dem wunderbaren Projekt BER, also dem Flughafen Berlin Brandenburg. Ich gebe dazu folgende Antwort: Mit der Verwaltung der Bundesbeteiligung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH und deren Projekt Flughafen BER sind sechs Mitarbeitende des BMVI beschäftigt. Weitere Mitarbeitende aus Abteilungen des BMVI, insbesondere der Zentralabteilung sowie der Abteilungen „Luftfahrt“, „Bu
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